kuhlewampe.net

5. Jahrgang
Herzlich Willkommen bei kuhlewampe.net. Ein Kultur-Literatur-Gesellschaftskritik-Blog im WWW
Gründer und Herausgeber: Dr. rer. pol. Christian G. Pätzold, Berlin
Kurator für Gesellschaftskritik: Dr. phil. Hans-Albert Wulf, Berlin
Wenn Ihr hier veröffentlichen wollt, schreibt bitte an: post(at)dr-paetzold.info
Kuhle Wampe ist ein Film von Bert Brecht, Slátan Dudow und Hanns Eisler aus dem Jahr 1932.


2019/03/17

Dr. Hans-Albert Wulf
Rosa Luxemburg und die Stasi

rosaplastik
Rosa Luxemburg, Kopf eines unbekannten Plastikers.
Fotografiert von © Dr. Hans-Albert Wulf, Februar 2019.

Vor ein paar Jahren bin ich in Berlin-Kreuzberg in einen Trödelladen geraten, um mal wieder ein bisschen herumzustöbern und herumzukramen. Als ich in das hintere Zimmer des Ladens trat, bot sich mir ein faszinierender Anblick. Auf einem Schrank standen die Gipsbüsten fast der gesamten sozialistischen und kommunistischen Ahnengalerie. Marx und Engels mehrfach, Lenin und auch die späteren wie z.B. Wilhelm Pieck und Ernst Thälmann. Und es fehlte natürlich auch nicht Rosa Luxemburg, in die ich im sozialistischen Sinne immer schon etwas verliebt war und die ich immer schon aufs höchste sozialistische Podest gestellt hatte. Eine Marxbüste hatte ich schon unmittelbar nach der Annexion der DDR 1989 gekauft.
Mit dem Trödelhändler wurde ich nach einigem Feilschen über den Preis der Rosa Luxemburg-Büste handelseinig. Er wollte 60 DM haben. Ich bezahlte schließlich aber nur 50 DM, weil die Büste etwas beschädigt war. Ein Teil von Rosas Nasenspitze war abgeschlagen und fehlte. Der Händler bot mir an, bei der Ausbesserung dieser Blessur zu helfen. Und so rückte ich am nächsten Tag mit Gips und Farbe an, um Rosas Nase zu reparieren.
Ich war mit dem Fahrrad gekommen und so stellte sich das Problem, wie ich Rosa nach Hause transportieren könne. Die Büste ist immerhin mehr als 50 cm hoch und mächtig schwer. Versuche, sie auf den Gepäckträger meines Fahrrads zu klemmen, misslangen gründlich. Aber der Trödelhändler hatte eine Lösung. Er könne mir für den Rosatransport eine große Ledertasche verkaufen, die er hervorkramte. Eine in der Tat sehr voluminöse Tasche und gar nicht zu vergleichen mit unseren gewöhnlichen Aktentaschen. Zudem wunderte ich mich zunächst über die vielen Schlösser. Der Trödelhändler belehrte mich, dass es sich um eine Stasitasche handele, für die er nochmal 50 DM haben wolle, und die ich nach einigem Murren denn auch zahlte. Und so habe ich doch tatsächlich die Rosa in einer Stasitasche nach Hause transportiert. Jahre später wurde bei mir eingebrochen und die Stasitasche wurde zum Abtransport der Beute mitgeklaut. Die Rosa haben sie aber gottseidank stehengelassen.

© Dr. Hans-Albert Wulf, März 2019.

Zum Anfang

2019/03/15

Egon Erwin Kisch
Wat koofe ick mir for een Groschen?

kisch
Volksspeisehalle, Neue Schönhauser Straße, Berlin Mitte.
Fotografiert von Dr. Christian G. Pätzold, September 2014.

In der Volksspeisehalle in der Schönhauser Allee trank ich eine Tasse Kaffee um zehn Pfennig und aß dazu einen Napfkuchen um den gleichen Preis. Drüben an der Wand, mit Kreide auf ein schwarzes Brett geschrieben, war die Speisekarte; aus ihr ersah ich, daß man für eine Tasse Milch, Kakao, Apfelwein oder Brühe, für eine Flasche Selterswasser, für zwei Zehntel Malz- oder Lagerbier, für eine mit Butter oder Schmalz gestrichene Stulle, für vier gewöhnliche Schrippen, für einen Blech- oder einen Napfkuchen nicht mehr und nicht weniger als zehn Pfennig zu zahlen hat. Noch reicher sehen die Genüsse aus, die sich einer vergönnen kann, der über zwei Groschen verfügt: eine Schale Weißbier, eine Pulle Brauselimonade, eine belegte Stulle, einen sauren Hering, einen marinierten Fisch, eine Portion Kartoffelsalat, ein Paar Würstchen oder ein Stück Wurst.
Um zu erfahren, ob man auch andere als alimentäre Werte um zehn Pfennig erwerben könne, rief ich eines der spielenden Gören zu mir, gab ihm einen Groschen und wollte ... der Kleine war schon mit der Schnelligkeit eines Rodelschlittens davongerast, bevor ich ihn etwas fragen konnte. Ich sprach einen anderen Jungen an und stellte ihm, das Geldstück in der Hand behaltend, die Gewissensfrage: "Was tust du mit diesen zehn Pfennig, wenn ich sie dir gebe?" - Der Knirps machte eine abwehrende Geste. "Nee, so doof bin ick nich - dann jehm Se mir den Jroschen doch nich!" - Ich gab mein Ehrenwort. - "Ick jehe in Kintopp." Auf meinen Wunsch zeigte er mir sogleich des Kino, wo der Eintritt zehn Pfennig kostet, der teuerste Platz fünfzig Pfennig. Mein kleiner Führer verschwand mit dem Groschen in der Eingangstüre, auf der eine große Tafel besagte: Jugendlichen unter sechzehn Jahren ist der Eintritt verboten!
Ein kleines Mädchen, das ich fragte, machte mir die Mitteilung, daß sie für meinen Groschen - auch ins Kino gehen wolle. Da mir die statistische Feststellung, wie viel Kinder Berlins eine Münze zum Besuch des Films anlegen würden, doch etwas zu kostspielig schien, stellte ich den Versuch ein, mir auf dem Wege einer Umfrage das Material zur Verwendungsmöglichkeit von zehn Pfennig zu verschaffen.
Ich war in einer Gegend, in der der Geschäftsbetrieb viel mehr von den Finanzverhältnissen des Käufers abhängig ist als von dessen Bedarf. Diesem Umstande ist durch die Preisangabe in den mit tausenderlei Dingen vollgepfropften Schaufenstern Rechnung getragen. In den Papierwarenhandlungen sind keine Schreibhefte, Stahlfedern, Bleistifte oder dergleichen ausgestellt. Luxusdinge des täglichen Gebrauchs werden angepriesen: die entzückenden Künstlerkarten, welche keifende Schwiegermütter, wimmernde Pantoffelhelden und zahnlose alte Jungfern zeigen, kosten nur zehn Pfennig; der anonyme Absender braucht nur - mit verstellter Handschrift - die Adresse daraufzuschreiben ... Um den gleichen Preis ist auch die hundertsechzehnte Lieferung des für unsere Jugend bestimmten Werkes "Huronen und Delawaren oder Das Zweite Gesicht oder Die Verfolgung rund um die Erde" zu haben, unter dessen vierfarbigem Titelbild die edlen Worte stehen: "Als Wilhelm Mut aus dem Blockhause heraustrat, sah er zehn Indianer in feindseliger Haltung vor sich stehen." Für zehn Pfennig habe ich das Heft einer Pfadfinder-Bücherei erstanden, verlockt durch die bunte Umschlagzeichnung, deren Text lautete: "Durch das Krachen des Donners, das Brüllen der Wogen, das Heulen des Sturmes tönte Horst Krafts gellender Ruf: Pfadfinder, zu mir! Wir werden zusammen sterben, wenn wir sterben müssen!" Dieses Büchlein habe ich gelesen und kann sagen: Wenn Büchern wirklich ein erzieherischer Wert zukommt, dann ist dieses Werk vortrefflich geeignet, Knaben zu Idioten zu erziehen.
Auf billige Art können sich Mädchen der Peripherie mit aller raffinierten Eleganz umgeben: eine Madeira-Hemdpasse, eine Büchse wohlriechenden Cachous, eine Phiole!!! Allerfeinstes Pariser Ideal-Parfum!!! (die sechs Ausrufungszeichen sind Original) und ein Gummiabsatz kosten je einen Groschen. Schwerer ist es, ein Gentleman zu sein. Zwar kosten ein Stehkragen, drei Hemdknöpfe oder einmal Schnurrbartstutzen denselben Betrag, aber schon für ein Paar Manschetten, ein Stück Prima Mandelseife mit zwei Ausrufungszeichen, eine Nagelfeile, eine Pomadenstange oder einmal Rasieren muß man die doppelte Taxe entrichten, für Haarschneiden und Bartausziehen sogar fünfundzwanzig, Kräuseln der Haare dreißig Pfennig.
Die Lust zum Heiraten wird gewiß dadurch wachgerufen oder wenigstens verstärkt werden, daß man um zehn Pfennig einen vergoldeten Ehering beziehen kann, eine Säuglingsklapper von der gleichen Wohlfeilheit, zwei Zinnsoldaten oder ein Schilderhäuschen. Mit einer Autohupe für Kinder oder fünf Knallerbsen kann man Krach machen, der mit einem Groschen gewiß nicht überbezahlt ist. Weiter: ein (etwas verbogener) Alpakalöffel, der Band einer verschrotteten Leihbibliothek "nach Eugen Sue bearbeitet von Wilhelm Eichelkogel", eine garantiert echte Haarlemer Hyazinthenzwiebel, ein achtel Pfund Kieler Sprotten, ein Stück Bruchschokolade, ein Umschlag mit Puderpapier, zwei Harzer Käse, Vanilleplätzchen und ein Kartoffelpuffer, alles bloß für zehn Pfennig.
Im Bagno-Museum auf dem Rummelplatz Ecke Lietzmannstraße-Neue Königstraße ist sogar ein Lustmord für einen Groschen zu sehen. In die Geldstücköffnung des Automaten wirft man zwei Sechser ein und dreht die Kurbel. Erstes Bild: Eine schlafende Dame. - Zweites Bild: Ein Mörder nähert sich mit gezücktem Messer. (Mörder nähern sich nämlich immer mit gezücktem Messer.) - Drittes Bild: Der Mörder nähert sich noch näher mit noch gezückterem Messer. - Viertes Bild: Der Mörder sticht der entsetzt erwachenden Dame das gezückte Messer in das Herz. - Fünftes Bild: Die Dame liegt tot neben zwei roten Tintenklecksen auf dem Boden, und der Mörder entfernt sich mit gezücktem, blutigrotem Messer. (Mörder entfernen sich nämlich immer mit gezücktem, blutigrotem Messer.)
Das alles koofe ick mir for een Groschen.

Die Reportage stammt aus dem Buch:
Egon Erwin Kisch: Der rasende Reporter, Berlin 1924.

Zum Anfang

2019/03/12

30 Jahre World Wide Web (WWW)

Dr. Christian G. Pätzold

www
Das World Wide Web. Quelle: Wikimedia Commons.

Das World Wide Web wurde vor genau 30 Jahren, am 12. März 1989, gestartet. Damals wurde das Konzept des weltweiten Austauschs von wissenschaftlichen Dokumenten von dem britischen Physiker Tim Berners-Lee am Forschungszentrum CERN nahe Genf/Schweiz vorgestellt. Durch den Austausch der wissenschaftlichen Dokumente sollten die Informationen quasi verflochten werden, so dass sich der Name Web oder auf Deutsch Netz ergab.
Das WWW besteht heute aus sehr vielen Webseiten, die über das Internet als technischer Struktur weltweit abrufbar sind. WWW und Internet sind also nicht dasselbe, werden aber meist synonym verwendet. Wenn man sich im weltweiten Netz der Webseiten umsieht, wird das auch Surfen im Internet genannt. Das WWW kann von jedem mit Informationen gefüllt werden und jeder kann dort Informationen abrufen. Potenziell ist dadurch jeder Mensch mit jedem Menschen verbunden, also ist das WWW eine die Menschheit verbindende Einrichtung.
Zum Beispiel ist www.kuhlewampe.net eine Webseite im WWW, die von Menschen gefüllt werden kann und von Menschen weltweit gelesen werden kann. Das ist doch eine schöne Sache. Dabei können nicht nur Texte verschickt werden, sondern auch Bilder, Töne (Musik) und Videos (Filme), wodurch die Information noch anschaulicher wird. Insgesamt besteht das WWW also inzwischen nach 30 Jahren aus einer riesigen Menge von Dokumenten in hunderten von Sprachen, die jeder nutzen kann. Man kann dort so viele Bücher lesen, die gar nicht alle in einen privaten Bücherschrank passen würden. Daher braucht man heute nicht mehr so viele Bücher zu kaufen wie vor 30 Jahren, was erhebliche Kosten spart. Ich schaffe mir nur noch dann Bücher an, wenn ich in den Büchern etwas anstreichen möchte oder Notizen machen möchte. Zum Nachsehen von Informationen ist das WWW, und dort zum Beispiel die Webseiten von Wikipedia, sehr ergiebig. Das Gutenberg-Zeitalter ist vorbei. Wir leben heute weitgehend im Cyberspace.
Im WWW kann man vieles erfahren. Das reicht vom aktuellen Wetterbericht, den aktuellen Nachrichten bis zum Ansehen alter Filme. Und das alles kostenlos.
Wie bei allen guten Sachen kommen auch bald schlechte Menschen angeschlichen, die kommerziell profitieren wollen oder kriminell veranlagt sind oder die Fake News verbreiten oder die Freude daran haben, Spammails zu verschicken, oder die einfach nur eine Klatsche haben. Für diese Typen war das World Wide Web nicht gedacht. Sie sind wie gefräßige Motten, die zum Licht flattern. Wenn man das WWW nutzt, muss man daher leider heute auch berücksichtigen, dass es haufenweise bösartige Individuen gibt. Man kommt nicht darum herum, sich immer bei jeder Webseite zu fragen, wer dahinter steckt, und ob man etwas mit diesem Individuum zu tun haben möchte.
Wenn alles gut läuft und sich die Menschheit nicht mit Atomraketen und durch die Klimakatastrophe vernichtet hat, dann könnte in 30 weiteren Jahren das gesamte Wissen der Menschheit im WWW für jeden zugänglich sein. Das wäre schon echt cool.

Zum Anfang

2019/03/10

Fridays For Future und Schulstreik
Greta Thunberg und die Rettung des Klimas unterstützen !

gretathunberg
Greta Thunberg. Quelle: Wikimedia Commons.

Zum Anfang

2019/03/08

Der Internationale Frauentag ist Feiertag

frauentag
Vorkämpferinnen der Frauenbewegung: Clara Zetkin (links) mit Rosa Luxemburg, 1910.
Quelle: Wikimedia Commons.

Gerade wurde 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland gleichberechtigterweise gefeiert. Und nun ist seit diesem Jahr der 8. März, der Internationale Frauentag, der 10. Feiertag in Berlin. Berlin wollte einen 10. Feiertag, weil es im Vergleich mit den anderen Bundesländern die wenigsten Feiertage hatte. SPD, die Grünen und Die Linke waren sich bald einig, dass der Weltfrauentag ein guter Feiertag wäre, um die Gleichstellung zu fördern. Und so ist Berlin bisher das einzige deutsche Bundesland, in dem der Weltfrauentag ein Feiertag ist. Daran merkt man, dass Berlin doch etwas anders tickt als der Rest von Deutschland. Vietnam, Kuba, Russland und 23 weitere Länder sind als leuchtende Beispiele vorangegangen und hatten schon den Frauentag als Feiertag.
Zum Glück wurde der 10. Feiertag nicht noch ein weiterer religiöser Tag. Die Kirchen wollten natürlich einen religiösen Feiertag, haben ihn aber nicht bekommen, was auch seltsam gewesen wäre, da die Mehrheit der Bevölkerung in Berlin nicht religiös ist. Die Ekklesiastiker schäumten vor Wut. Am meisten wurmt sie, dass sie nicht wissen, was sie am Internationalen Frauentag mit ihren Gläubigen feiern sollen. Für die katholischen Kleriker ist die Frau an sich nicht gleichberechtigt, sondern eher in dienenden Funktionen in der Kirche tätig. Die Protestanten andererseits lehnen von jeher die Madonnenanbetung ab. Daher können die Kirchen mit dem Frauentag überhaupt nichts anfangen und stehen vor einem Rätsel.
Aber der 8. Mai, das Ende des Faschismus, hätte mir auch als Feiertag gefallen, weil dann das Wetter besser ist. Immerhin ist der 8. Mai im nächsten Jahr einmalig ein Feiertag in Berlin, zum 75. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus.
Die Idee des Internationalen Frauenkampftages wurde 1910 auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen von Clara Zetkin auf die Tagesordnung gesetzt. Clara Zetkin war damals noch Mitglied der SPD, später der KPD. Die Hauptforderungen der Frauen waren das Frauenwahlrecht, die Gleichberechtigung, die Emanzipation der Arbeiterinnen und nach 1914 während des Ersten Weltkriegs die Forderung nach einem Ende des Krieges. Der Weltfrauentag ist also ein vollständig sozialistischer Kampftag. Der 8. März als festes Datum entstand aber erst 1921 in Moskau.
Bei Wikipedia heißt es zum Datum 8. März:

"1917 war aber auch aus einem anderen Grund ein entscheidendes Jahr. Am 8. März 1917 - nach dem damals in Russland verwendeten julianischen Kalender der 23. Februar - streikten in Petrograd die Bewohnerinnen der armen Stadtviertel auf der Wyborger Seite. Arbeiterinnen, die Ehefrauen von Soldaten und erstmals auch Bäuerinnen gingen gemeinsam auf die Straße und lösten so die Februarrevolution aus. Zu Ehren der Rolle der Frauen in der Revolution wurde auf der Zweiten Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen 1921 in Moskau auf Vorschlag der bulgarischen Delegation der 8. März als internationaler Gedenktag eingeführt. Nach anderer Darstellung war es nach Aufforderung von Alexandra Kollontai und anderen Vorkämpferinnen Lenin, der in diesem Jahr, 1921, den 8. März zum "Internationalen Frauentag" erklärte. Über den Ursprung des Internationalen Frauentages am 8. März gibt es verschiedene Theorien und Deutungen."

Heutzutage haben allerdings viele Frauen wenig zum Feiern am 8. März, angesichts der verbreiteten Armut und der prekären Lebensverhältnisse besonders bei Frauen. Für sie dürfte der 8. März eher ein Protesttag als ein Feiertag sein. Die Linke hat schon eine Demo angekündigt. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass auch ein Männertag und ein Kindertag als zusätzliche Feiertage eingeführt werden sollten, möglicherweise alternativ als Ersatz für Ostern oder Weihnachten.
Dr. Christian G. Pätzold.

Jenny Schon feiert am 8. März den Frauentag mit Gedichten über Frauen im Terzo Mondo, 20 Uhr, Grolmanstraße 28, in Berlin Charlottenburg. Engagierte Lyrik für Menschenrechte, Gedichte für politische und literarische Frauen: Else Lasker Schüler, Janis Joplin, Annette Droste-Hülshoff, Karoline von Günderode, Juliette Greco. Dazu ein Text zu Mete Fontane (Fontane-Jahr).

Zum Anfang

2019/03/05

art kicksuch

ueberschreitendes

© art kicksuch, märz 2019.

Zum Anfang

2019/03/02

Kurt Tucholsky
Das Lied vom Kompromiß, März 1919

Manche tanzen manchmal wohl ein Tänzchen
immer um den heißen Brei herum,
kleine Schweine mit dem Ringelschwänzchen,
Bullen mit erschrecklichem Gebrumm.
Freundlich schaun die Schwarzen und die Roten,
die sich früher feindlich oft bedrohten.
Jeder wartet, wer zuerst es wagt,
bis der eine zu dem andern sagt:
»Schließen wir nen kleinen Kompromiß!
Davon hat man keine Kümmernis.
Einerseits - und andrerseits -
so ein Ding hat manchen Reiz ...
Sein Erfolg in Deutschland ist gewiß:
Schließen wir nen kleinen Kompromiß!«

Seit November klingt nun dies Gavottchen.
Früher tanzte man die Carmagnole.
Doch Germania, das Erzkokottchen,
wünscht, dass diesen Tanz der Teufel hol.
Rechts wird ganz wie früher lang gefackelt,
links kommt Papa Ebert angewackelt.
Wasch den Pelz, doch mache mich nicht naß!
Und man sagt: »Du, Ebert, weißt du was:
Schließen wir nen kleinen Kompromiß!
Davon hat man keine Kümmernis.
Einerseits - und andrerseits -
so ein Ding hat manchen Reiz ...
Sein Erfolg in Deutschland ist gewiß:
Schließen wir nen kleinen Kompromiß!«

Seit November tanzt man Menuettchen,
wo man schlagen, brennen, stürzen sollt.
Heiter liegt der Bürger in dem Bettchen,
die Regierung säuselt gar zu hold.
Sind die alten Herrn auch rot bebändert,
deshalb hat sich nichts bei uns geändert.
Kommts, dass Ebert hin nach Holland geht,
spricht er dort zu einer Majestät:
»Schließen wir nen kleinen Kompromiß!
Davon hat man keine Kümmernis.
Einerseits - und andrerseits -
So ein Ding hat manchen Reiz ...«

Und durch Deutschland geht ein tiefer Riß.
Dafür gibt es keinen Kompromiß!

Kaspar Hauser in: Die Weltbühne, 13.03.1919, Nr. 12, S. 297.

Zum Anfang

2019/02/28

vorschau03

Zum Anfang

2019/02/26

Eine Neuheit bei kuhlewampe.net: Links

Bei Kuhle Wampe gibt es jetzt Links zu einigen Webseiten der MitschreiberInnen.
Sie sind über die Schaltfläche "Links" im Kopf dieser Seite erreichbar.
Dadurch braucht ihr nicht mehr die Namen der MitschreiberInnen bei Google einzugeben.
Ein kleiner Klick genügt und schon seid ihr auf der gewünschten Webseite.
Bequemer geht es wirklich nicht.

Zum Anfang

2019/02/23

Dr. Hans-Albert Wulf
Don Quijote oder die Tragikomik des Lesens

donquijote
Honoré Daumier (1808-1879): Don Quijote und Sancho Pansa.
Quelle: Wikimedia Commons.

Don Quijote ist der Dreh- und Angelpunkt all der folgenden Geschichten und Episoden über Büchernarren, Stubengelehrte und Wortakrobaten. Er ist der erste, der sich strikt geweigert hat, zwischen der schnöden Alltagswelt und der Bücherwelt einen Unterschied zu machen. In der traditionellen Literatur wird ja bekanntlich meist geschildert, was sich an bemerkenswerten Dingen in der realen Welt so alles zugetragen hat. Bei Don Quijote ist es umgekehrt. Er trägt die Begebnisse all der Romane, die er in sich hineingefressen hat, ins reale Leben hinaus. Und so wird die Realität genötigt, sich nach all den Romanen zu richten, die er gelesen hat.
Der Roman des Miguel de Cervantes aus dem Ende des 16. Jahrhunderts ist eine Persiflage auf die damals grassierende Flut von Abenteurer- und Ritterromanen. Er stellt eine frühe Form der Medienkritik dar, wie sie sich dann im 18. Jahrhundert als Kritik an der Lesesucht artikulieren sollte und in der gegenwärtigen Diskussion über virtuelle Welten und das Verschwinden der Wirklichkeit einen Höhepunkt findet. Ein berühmter Beitrag hierzu ist der Film "Willkommen Mr. Chance" mit Peter Sellers, in dem der Titelheld die Realität mit dem Fernsehen verwechselt und mit der TV-Fernsteuerung in der Hand durch die Welt irrt.
Don Quijote gilt als einer der prominentesten Büchernarren der Literaturgeschichte. Zunächst ist nicht viel Bemerkenswertes über ihn zu berichten. Er war ein etwa 50jähriger spanischer Landedelmann, der auf seinem bescheidenen Gut ein ereignisloses Leben führte, so wie viele andere auch. Indes er frönte einer Leidenschaft, die seinem Leben die Würze gab: Er hatte ein Faible für Ritter- und Abenteurerromane, für die er sein ganzes Geld ausgab, und die er mit allergrößter Gier und Inbrunst verschlang. Da wird von den kühnen Taten heldenhafter und unbesiegbarer Ritter berichtet wie z.B. von Amadis von Gallien oder Roland dem Rasenden. Und mächtige und unbezwingbare Riesen, Drachen und andere Ungeheuer treiben ihr Unwesen. Aber auch die Liebe hat hier ihren Platz und sie ist die Triebfeder für all den ritterlichen Heldenmut. Das Muster ist immer das Gleiche. Der Ritter verehrt und vergöttert ein schönes und liebreizendes Burgfräulein oder eine Prinzessin, derenthalben er all seine Großtaten vollbringt. Nur so kann er ihre Gunst erringen. Und so begeistert sich Don Quijote an Sätzen wie: "Der Sinn des Widersinns, den Ihr meinen Sinnen antut, schwächt meinen Sinn dergestalt, dass ein richtiger Sinn darin liegt, wenn ich über Eure Schönheit Klage führe." Und ebenso, wenn er las: "...die hohen Himmel Eurer Göttlichkeit, die Euch in göttlicher Weise bei den Sternen festigen und Euch zur Verdienerin des Verdienstes machen, das Eure hohe Würde verdient." Man sieht, auch er war schon ein Freund wortakrobatischer Verrücktheiten.
Nachdem Don Quijote durch solch irrwitzige Lektüre das Gehirn vertrocknet war, fasst er einen kühnen Entschluss. Er will selbst hinausziehen und das Leben eines fahrenden Ritters führen. Begleitet wird er von seinem Diener Sancho Pansa, einem Bauern von nebenan. Die beiden sind in jeder Hinsicht das Gegenteil voneinander. Don Quijote lang und dürr und Sancho Pansa klein und dick. Don Quijote der vom Bücherwahn infizierte Phantast und auf der anderen Seite der pragmatische und bodenständige Sancho, der, wie man so sagt, mit beiden Beinen im Leben steht. Warum lässt er sich aber von Don Quijote beschwatzen, bei all dessen Abenteuern mitzumachen? Manche meinen, er sei als Diener seines Herrn mit Geld bezahlt worden. Das kann jedoch nicht richtig sein: Denn Sancho war ja kein Diener, sondern der Knappe des Ritters von der traurigen Gestalt und Knappen erhalten für ihre Dienste ja grundsätzlich kein Geld. Warum hat sich Sancho dann auf diese irrwitzigen Abenteuer eingelassen. Ganz zweifellos will er sich aus seinem faden und mühseligen Dasein als armer Ackermann und Familienvater auf und davon stehlen. Mit Ritter- und Abenteurerromanen hat er im Unterschied zu seinem neuen Herrn allerdings nichts, aber auch gar nichts im Sinn.
Heimlich ziehen die beiden ohne Abschied von ihren Angehörigen nachts auf und davon. Sancho lässt seine Kinder Kinder sein und um gar nicht erst ein schlechtes Gewissen gegenüber seiner Familie aufkommen zu lassen, glaubt er geschwind den Versprechungen Don Quijotes, dass er dereinst nach gloriosen Siegen über allerhand Feinde zum Statthalter oder gar König einer Insel befördert werde. Und dann würden ja seine holde Ehefrau, die er gerade schmählich verlassen hat, zur Königin und seine Kinder zu Prinzen gekürt. Glaubt Sancho diese Versprechen Don Quijotes nun eigentlich wirklich? Einerseits hat er einen klaren Alltagsblick. Windmühlen sind für ihn Windmühlen und keine Riesen, auf der anderen Seite baut er sich gerne ein alltagsflüchtiges Wolkenkuckucksheim. Und dies lässt ihn seinem Herrn in die verrücktesten Abenteuer folgen.
Doch hören wir, wie der fahrende Ritter seinen Knappen Sancho Pansa belehrt: "Wie ist möglich, dass du während der ganzen Zeit, seit du an meiner Seite bist, nicht begriffen hast, dass alles, was mit fahrenden Rittern vorgeht, wie Hirngespinste, Albernheit und Unsinn aussieht und in allem stets verkehrt ist? Und nicht etwa, weil es wirklich so ist, sondern weil mit unsereinem beständig ein Schwarm von Zauberern umherzieht, die alles, was uns betrifft, verwechseln und vertauschen und nach ihrem Belieben umwandeln, je nachdem sie Lust haben, uns zu begünstigen oder uns zugrunde zu richten. So kommt es, dass, was dir wie eine Barbierschüssel aussieht, mir als der Helm Mambrins erscheint, und einem anderen wird es wieder als was andres erscheinen."
Don Quijote reitet mit Sancho Pansa durch die Sierra Nevada und in dieser felsigen Einöde verkündet er, dass er in Bälde eines seiner allergrößten Bravourstücke zu vollbringen gedenke. Was hatte er nicht schon alles an ruhmreichen Heldentaten gemeistert. Der Kampf mit den Riesen, von dem Spötter später behauptet hatten, es seien nicht Riesen sondern schnöde Windmühlen gewesen, mit denen sich Don Quijote da eingelassen hatte. Oder die Geschichte von dem anstürmenden feindlichen Heer, das sich arglistigerweise als Schafherde getarnt hatte und in dem er ein Blutbad angerichtet hatte. All diese Großtaten und noch einige mehr vollführte der Ritter mit dem Ziel, den Ungerechtigkeiten der Welt mutig entgegenzutreten, Waisen zu beschützen, Jungfrauen aus der Gefangenschaft von Unholden zu erlösen und zu Unrecht gefangene Menschen von ihren Fesseln zu befreien. Doch bei alldem ging es um das übergeordnete Ziel, von seiner abgöttisch Geliebten einen Fingerzeig der Gunst zu erhaschen.
Sie ritten eine Weile weiter und als die beiden zu einem Hain kamen, machte Don Quijote halt, stieg ab und richtete an seinen Schildknappen sinngemäß folgende Rede: "Hier Freund Sancho will ich rasten, um mich ganz meinem Schmerz hinzugeben, der Schmerz darüber, dass mich meine Herrin, die huldselige und schöne Dulcinea von Toboso, nicht erhört und schnöde meine Liebe missachtet." Beim Liebesschmerz allein solle es hierbei aber nicht bleiben. Nein, er habe etwas viel größeres vor, nämlich über der Untreue seiner Gebieterin verrückt zu werden und seinen Verstand zu verlieren. Sancho gibt seinem Herrn zu bedenken, dass er doch überhaupt keinen Hinweis darauf habe, dass Dulcinea mit irgendeinem Mohren ein gemeinsames Mittagsschläfchen gehalten habe. In der Tat, da habe er recht, entgegnet Don Quijote seinem Knappen. Aber gerade dies, dass er ja von gar keiner Untreue Dulcineas wisse, mache seine Unternehmung umso pikanter. "Denn die rechte Probe ist, ohne Anlass wahnsinnig zu sein, damit meine Geliebte denken muss: wenn das am grünen Holze geschieht, was soll’s erst am dürren werden!"
Und hierbei kommen nun die Früchte seiner Ritter- und Abenteurerlektüre voll zur Geltung. Don Quijote hat zwei große Vorbilder, denen er auf seinen Ritterabenteuerfahrten nachfolgt: Roland den Rasenden und Amadis von Gallien. Es stellte sich für ihn die Frage, welchen er denn nachahmen solle. Orlando furioso ist, wie der Name schon sagt, die wilde Lesart. Als dieser erfuhr, dass seine Geliebte Angelika "mit Medor Schändliches begangen hatte", wurde er darüber toll und in seinem Liebesschmerz entwurzelte er Bäume, trübte Quellen und erschlug Hirten. Er metzelte ganze Schafherden nieder, setzte Hütten in Brand, riss Häuser nieder "und tausend andere und unerhörte Streiche, die ewigen Gedächtnisses und Ruhmes würdig sind". Er seinerseits, fuhr Don Quijote fort, betrachte all diese Taten des rasenden Rolands zwar mit größtem Respekt, wolle sie jedoch hier nicht umsetzen. Grundsätzlich ziehe er aber die Variante des Amadis von Gallien vor, der nur "tränenreiche und empfindsame" Dinge tat. Don Quijote verzichtet auf die umweltzerstörenden Eskapaden des Orlando und legt lieber an sich selbst Hand an. Dies beginnt damit, dass er zum Leidwesen seines Knappen Sancho sich bis aufs Hemd auszieht, Purzelbäume schlägt, dann gegen die härtesten Felsen rennt und sich selbst überbietet in all seinen Verrücktheiten.
Was auch immer er tat, und was von Cervantes in seinem 1.200seitigen Roman berichtet wird: In alldem befolgte Don Quijote gewissenhaft die Regieanweisungen der von ihm durchgeschmökerten Ritterromane.

© Dr. Hans-Albert Wulf, Februar 2019.

Zum Anfang

2019/02/20

Georg Herwegh
Bundeslied für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein, 1863

You are many, they are few.
(Eurer sind viele, ihrer sind wenige.)

Bet und arbeit! ruft die Welt,
Bete kurz! denn Zeit ist Geld.
An die Türe pocht die Not -
Bete kurz! denn Zeit ist Brot.

Und du ackerst, und du säst,
Und du nietest, und du nähst,
Und du hämmerst, und du spinnst -
Sag, o Volk, was du gewinnst!

Wirkst am Webstuhl Tag und Nacht,
Schürfst im Erz- und Kohlenschacht,
Füllst des Überflusses Horn,
Füllst es hoch mit Wein und Korn.

Doch wo ist dein Mahl bereit?
Doch wo ist dein Feierkleid?
Doch wo ist dein warmer Herd?
Doch wo ist dein scharfes Schwert?

Alles ist dein Werk! o sprich,
Alles, aber nichts für dich!
Und von allem nur allein,
Die du schmiedst, die Kette, dein?

Kette, die den Leib umstrickt,
Die dem Geist die Flügel knickt,
Die am Fuß des Kindes schon
Klirrt - o Volk, das ist dein Lohn.

Was ihr hebt ans Sonnenlicht,
Schätze sind es für den Wicht,
Was ihr webt, es ist der Fluch
Für euch selbst - ins bunte Tuch.

Was ihr baut, kein schützend Dach
Hat's für euch und kein Gemach;
Was ihr kleidet und beschuht,
Tritt auf euch voll Übermut.

Menschenbienen, die Natur,
Gab sie euch den Honig nur?
Seht die Drohnen um euch her!
Habt ihr keinen Stachel mehr?

Mann der Arbeit, aufgewacht!
Und erkenne deine Macht!
Alle Räder stehen still,
Wenn dein starker Arm es will.

Deiner Dränger Schar erblaßt,
Wenn du, müde deiner Last,
In die Ecke lehnst den Pflug,
Wenn du rufst: Es ist genug!

Brecht das Doppeljoch entzwei!
Brecht die Not der Sklaverei!
Brecht die Sklaverei der Not!
Brot ist Freiheit, Freiheit Brot!

Zum Anfang

2019/02/17

Freier Eintritt in Staatliche Museen

Dr. Christian G. Pätzold

Der linke Kultursenator von Berlin äußerte vor kurzem eine scheinbar revolutionäre Idee: Ein Tag im Monat kostenloser Eintritt in alle staatlichen Museen. Das hört sich erstmal gut an, hat aber schon so einen langen Bart und ist uralt. Schon seit ewigen Zeiten gibt es Museen, die einen Tag mit kostenlosem Eintritt anbieten. Gegenwärtig hat bspw. das Bröhan-Museum in Berlin Charlottenburg einen kostenlosen Tag im Monat. Das ist auch nur gerecht, denn die Bevölkerung hat schon Unsummen für den Bau, die Sammlungen und den Unterhalt der Museen bezahlt.
In Wirklichkeit ist nur ein kostenloser Tag im Monat recht mickrig und wenig großzügig. Warum nicht 1 kostenloser Tag pro Woche? Das ist doch wohl das kulturelle Minimum. Aber dass es nach über 2 Jahren linker Kulturpolitik noch immer keinen einzigen kostenlosen Tag in vielen staatlichen Museen gibt, zeigt doch, dass in der Berliner Kulturpolitik vieles schief läuft. Das bedeutet, dass die ärmere Bevölkerung de facto seit Jahren von den Museen ausgeschlossen wurde, denn die Eintrittspreise sind happig. Und dieses Aussperren der ärmeren Bevölkerung aus der Kultur ist unmoralisch, sehr schade und verstößt gegen die Menschenwürde.
Gleichzeitig werden Millionensummen von der Berliner Kulturverwaltung fehlgeleitet, wie in dem Beitrag vom 2018/12/11 auf kuhlewampe.net nachgewiesen wurde.

Zum Anfang

2019/02/14

Der Mensch und seine Arbeit

Markus Richard Seifert

Von dem Menschen und seiner Arbeit soll hier die Rede sein. Doch da ich in diesem Zusammenhang nur Deutschland kenne, schränke ich den Titel auch schon ein und schreibe "Die Menschen in Deutschland und ihre Arbeit". Was also hat "der Deutsche" für ein Verhältnis zu seiner Arbeit? Der Deutsche, und das ist hierzulande leider schon Tradition, hat meiner Beobachtung nach ein eher verkrampftes Verhältnis zu seiner Arbeit oder zu der Arbeit an sich. Denn schon ein altes deutsches Sprichwort sagt uns: "Müßiggang ist aller Laster Anfang". Soll heißen: Wer zu viel Freizeit hat, der oder die kommt eher auf so genannte "dumme Gedanken", jedenfalls eher als jemand, der viel ZU TUN hat.
Das bringt uns zu der Frage, was denn eigentlich Arbeit ist und wie dieser Begriff definiert werden kann oder sollte? Was also ist ARBEIT? Muss es unbedingt eine BEZAHLTE Tätigkeit sein, die uns unseren Lebensunterhalt sichert? Oder gibt es auch eine Arbeit, die nicht nur einen so genannten MARKTWERT, sondern auch einen GESELLSCHAFTLICHEN oder MORALISCHEN oder KULTURELLEN Wert für sich beanspruchen kann? Und darf ARBEIT eigentlich SPASS machen oder wäre das dann "nicht erwachsen"? Und was ist zum Beispiel die Arbeit eines Schriftstellers wert? Oder anders gefragt: Ist sie nur dann etwas wert, wenn er mit seinen Büchern Geld verdient - genug Geld, um sich davon zu ernähren?
Und was ist mit der unbezahlten, aber gesellschaftlich oder auch moralisch wertvollen Arbeit - Mütter, die Kinder erziehen ohne berufstätig zu sein oder Kinder, die ihre Mütter pflegen auch ohne berufstätig sein zu können? Ist das etwa KEINE Arbeit? Früher war HAUSFRAU und MUTTER ein anerkannter Beruf - heute etwa nicht mehr? Oder die PFLEGE von Angehörigen: Fünf Jahre blieb ich zu Hause, um nacheinander zu Hause meine kranken Eltern zu betreuen, stand in dieser Zeit dem so genannten oder auch Ersten Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung - war das vielleicht ein Fehler? Geld vom Staat haben wir in dieser Zeit KEINES bekommen, so viel steht fest.
Und das Ehrenamt, dessen Tätigkeiten auch jenseits des Ersten Arbeitsmarktes stattfinden? Oder ein Mensch, der oder die in einer Sozialen Bücherstube arbeitet, wo naturgemäß KEIN Geld verdient werden kann - ARBEITET DER ETWA NICHT, nur weil er dadurch KEIN Geld verdient? Kurzum: Der Begriff der Arbeit ist sehr relativ, wenn wir ihn nicht mit den unzureichenden Maßstäben des Arbeitsamtes messen wollen. Aber immer noch hinterfragen viel zu wenige Menschen diese einseitige Definition!
Mit einem Wort: Das kapitalistische System, das eigentlich schon seit der und durch die Weltwirtschaftskrise des Jahres 1929 widerlegt worden ist, ist vergleichbar mit dem alten Kinderspiel "Reise nach Jerusalem", wo bekanntlich immer EIN STUHL ZUWENIG da ist, was aber offensichtlich die MIT STUHL NICHT ZU STÖREN SCHEINT, die da glauben, daß die OHNE daran SELBER SCHULD sind.
Aber inzwischen kommt noch ein weiterer Faktor hinzu: Die AUTOMATISIERUNG und/oder DIGITALISIERUNG: Dann nämlich, wenn immer mehr ROBOTER unsere Arbeit übernehmen, wird es auch für fleißige und arbeitswillige Menschen nicht mehr ganz selbstverständlich sein, ARBEIT zu haben und Arbeit zu finden. Und dann wird das BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN eingeführt werden müssen, ob wir es nun wollen oder nicht. Aber viele unserer PUHLITIKER haben ganz offensichtlich Angst vor einem Bedingungslosen Grundeinkommen, denn ein Volk ohne den Druck des so genannten Arbeitsmarktes ist wie eine Schulklasse, die KEINE ANGST mehr vor schlechten Noten haben muss, weil die Noten nämlich abgeschafft worden sind, "man" kann so ein Volk viel weniger zum Gehorsam bringen.

© Markus Richard Seifert, Februar 2019.

Zum Anfang

2019/02/11

Sozialistischer Realismus in Ost-Berlin, Teil 5
Will Lammert: Jüdische Opfer des Faschismus, 1956

juedischeopfer
Will Lammert: Jüdische Opfer des Faschismus, 1956.
Vor dem Alten Jüdischen Friedhof in der Großen Hamburger Straße in Berlin Mitte.
Fotografiert von Dr. Christian G. Pätzold, Dezember 2018.

Die Figurengruppe »Jüdische Opfer des Faschismus« wurde 1956 von Will Lammert für das Konzentrationslager Ravensbrück in Fürstenberg/Havel im Norden des Bundeslandes Brandenburg geschaffen. Im Konzentrationslager Ravensbrück waren vor allem Frauen mit ihren Kindern eingesperrt. Daher sind in der Bronzegruppe Frauen und Kinder dargestellt. Die Gruppe wurde aber erst 1985 vor dem Alten Jüdischen Friedhof im Scheunenviertel in Berlin Mitte, in der Großen Hamburger Straße, aufgestellt, das heißt im damaligen Ost-Berlin in der DDR. Sie war das erste Denkmal für die jüdischen Opfer des Faschismus, das in Berlin bestand.
Dieser alte Friedhof nahe beim Hackeschen Markt ist ein sehr alter Begräbnisplatz der jüdischen Gemeinde aus dem 18. Jahrhundert, der von den Nazis verwüstet wurde. Daher ist dort heute auf dem Friedhof fast nichts mehr zu sehen außer Efeu. Es ist noch der rekonstruierte Grabstein des Berliner Aufklärers Moses Mendelssohn (1729-1786) aufgestellt. Jüdische Begräbnisstätten werden aus religiösen Gründen grundsätzlich nicht überbaut, im Gegensatz zu christlichen Friedhöfen. Daher existiert der Alte Jüdische Friedhof noch heute.
Die Bronzegruppe der jüdischen Opfer vor dem Eingang zum Friedhof besteht aus 13 Personen mit kahl geschorenen Köpfen und ausgemergelten Körpern, was besonders auffällt. Wenn man das Denkmal mit dem großen Holocaust Mahnmal von Peter Eisenman am Brandenburger Tor vergleicht, das 2005 eröffnet wurde, dann ist das kleine Denkmal von Will Lammert doch viel eindrücklicher und menschlicher.
Will Lammert (1892-1957) überlebte den Ersten Weltkrieg verwundet und war in den Weimarer Jahren ein viel beschäftigter Bildhauer. 1932 trat er in die KPD ein. 1933 musste er mit seiner jüdischen Frau aus Deutschland flüchten und überlebte den Zweiten Weltkrieg im Exil in der Sowjetunion. Die Nazis hatten inzwischen fast alle seine bildhauerischen Werke in Deutschland zerstört, denn für sie war er ein entarteter jüdisch versippter Kunstbolschewist. 1951 konnte er aus der Sowjetunion in die DDR übersiedeln.

Dr. Christian G. Pätzold.

Teil 1 von »Sozialistischer Realismus in Ost-Berlin« erschien am 2018/03/25 auf kuhlewampe.net.
Teil 2 erschien am 2018/06/12.
Teil 3 erschien am 2018/08/14.
Teil 4 erschien am 2018/10/17.

Zum Anfang

2019/02/08

Der Liebesperlenstrauch

liebesperlenstrauch
Fotografiert von Dr. Christian G. Pätzold, Dezember 2018.

Der Liebesperlenstrauch (Callicarpa giraldii) hat tolle purpurne Früchte, die für Menschen leider giftig sind. Der Strauch wird auch Chinesische Schönfrucht genannt und kommt aus dem mittleren China, wächst aber auch in Deutschland sehr gut. Er gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Seine Früchte sind im Winter sehr auffällig, denn Purpur ist eine Farbe, die in der Pflanzenwelt nicht so häufig vorkommt.
Dr. Christian G. Pätzold.

Zum Anfang

2019/02/05

art kicksuch

werspricht1
werspricht2

© art kicksuch, februar 2019.

Zum Anfang

2019/02/02

Beim Pecha Kucha im Haus für Poesie

Dr. Christian G. Pätzold

Ende November, es ist kalt, Nieselregen. Um 5 ist es schon stockdunkel. Die U-Bahn zur Eberswalder Straße ist proppenvoll von Einheimischen und Touristen, die am Freitagabend in der Stadt unterwegs sind. Die Blumenhändlerin hat schöne große Mistelkugeln vor ihrem Laden aufgehängt. In der Kulturbrauerei ist der Weihnachtsmarkt mit Glühwein schon voll im Gange. Am Ständer mit den Flyern informiere ich mich über das Berliner Kulturangebot. Der Veranstaltungsraum des Hauses für Poesie ist eine helle, weiß gestrichene Fabriketage im Erdgeschoss, die glücklicherweise geheizt ist. Die Bar hat ein kleines Sortiment an kalten Getränken. Die 50 Stühle für die Besucher sind schon aufgestellt.
Heute gibt es einen Pecha-Kucha-Abend im Haus für Poesie in Berlin Prenzlauer Berg. Hä? Einige werden sich vielleicht fragen, was das ist? Pecha Kucha, gesprochen "petscha kutscha", ist ein Vortragsformat von 20 mal 20 Sekunden, so dass die Vortragenden jeweils insgesamt 6 Minuten und 40 Sekunden sprechen. Während des Vortrags werden nacheinander 20 Bilder auf eine Leinwand geworfen. Dadurch hat man nicht nur etwas zum Zuhören, sondern auch etwas zum Anschauen, was die Vorträge sehr lebendig und informativ macht. Insgesamt ergibt sich beim Pecha Kucha eine kurzweilige Präsentation von Themen.
Pecha Kucha ist ein lautmalendes Wort und kommt aus Japan. Es bedeutet Stimmengewirr oder wirres Geplauder. Die Vortragstechnik wurde erstmals 2003 in Tokio verwendet. Bei einer Pecha Kucha Night gibt es mehrere Vorträge hintereinander, meist um die 10. Für ein Pecha Kucha braucht man ein zusätzliches technisches Equipment: Einen Laptop, einen Beamer und eine Leinwand, auf die die 20 Bilder geworfen werden. Auf der Leinwand läuft auch ein Sekundenzeiger, der anzeigt, wie viel Zeit noch verbleibt.
Mein Pecha-Kucha-Abend hatte den Titel "Kritik der Kritik". 10 PoesiekritikerInnen haben ihre Kritik verschiedener LyrikerInnen vorgetragen. Ich wusste gar nicht, dass es so viele junge LyrikkritikerInnen in Berlin gibt. Das ganze war sehr abwechslungsreich. Ich habe aber festgestellt, dass auch das Vortragen eine Kunst ist, die sich vom reinen Kritisieren unterscheidet. Die Kritik der KritikerInnen war sehr gelungen, aber ihr Vortrag war noch nicht so spannend, wie ich ihn bspw. bei professionellen Poetry SlammerInnen gesehen habe. Das Pecha-Kucha-Format eignet sich jedenfalls sehr gut als Einstieg in eine anschließende Diskussion.

Zum Anfang

2019/01/31

vorschau02

Zum Anfang

2019/01/28

IM KOPF DER SPRACHE
BERICHTE AUS DER SPRACHWERKSTATT VON DR. KARIN KRAUTSCHICK
JOHAN HUIZINGA, TEIL 2
»HOMO LUDENS. VOM URSPRUNG DER KULTUR IM SPIEL« (1938)

huizinga1
Daniel Chodowiecki: Vergnügungen der Kinder. Quelle: Wikimedia Commons.

Es sind jene Regeln, die j e d e s Spiel kennzeichnen und auf die der holländische Historiker und Philosoph Johan Huizinga bereits 1938 in seiner Abhandlung, dem Klassiker »Homo Ludens«, lateinisch für "Der spielende Mensch", explizit verwies, als er das Spiel als ein grundlegendes Element unserer Kultur verstand. Dieses einflussreiche Buch ist uns auch heute noch wohl bekannt, nicht allein wegen seines beeindruckenden programmatischen Titels. Folgende Grundparameter werden impliziert, wenn Huizinga das Spiel als "freie Handlung" bezeichnet: Abgeschlossenheit, Begrenztheit, ohne Notwendigkeit und Nutzen, Spannungselement, Wiederholbarkeit und die Spielregeln als Grundvoraussetzung - in einen grundlegend unveränderlichen Rahmen gesetzt, innerhalb dessen ein neuer Entfaltungsraum, jedoch keineswegs ein uneingeschränkter, sondern im Gegenteil ein bereits definierter Handlungsspielraum, festgelegt wird.
So wird Spiel von ihm definiert und mit diesem Kompass macht er sich auf den Weg in die Kulturgeschichte, in der er sich, wie wir bereits seit Teil 1 wissen, sehr gut auskennt. Das von ihm gesichtete reichhaltige Quellenmaterial erbrachte den "Beweis", "daß alle Kultur im Spiel ihren Ursprung hat. Seine Ausführungen legen es nahe, sich einmal Gedanken zu machen über die verschiedenen Formen des Spiels, ihre Bedeutung und ihre geschichtliche Entwicklung." (1)
"Spielender Wetteifer, älter als die Kultur selbst, erfüllte von jeher das Leben und brachte die Formen der archaischen Kultur wie Hefe zum Wachsen. Der Kult entfaltete sich in heiligem Spiel... Kultur in ihren ursprünglichen Phasen wird gespielt. Sie entspringt nicht aus Spiel, wie eine lebende Frucht sich von ihrem Mutterleibe löst, sie entfaltet sich in Spiel und als Spiel." (2)
Verhandelt wird, inwieweit bestimmte Kulturerscheinungen wie das Rechtswesen, Krieg, Wetteifer, Wissen, Philosophie oder Kunst diesen Spielcharakter aufweisen und für welchen Bereich dieser nicht mehr gilt, z. B. macht er bei Kriegen wesentliche Abstriche, auch wenn dieser im Agonalen, einem Kennzeichen des Spielhaften, wurzelt.
Enorm aufschlussreich sind die Kapitel über Dichtung und das poetische Spiel/en. (3)
Alles in allem ein Plädoyer für das Spiel und dessen Implikationen, besonders angesichts der Nazi-Okkupation in Holland, die Huizinga am eigenen Leib zu spüren bekommt, denn er muss 1942 als 70-Jähriger sogar einige Zeit ins KZ wegen angeblich nazifeindlicher Schriften. Gegen Ende seines Lebens eher ernüchtert über diese Auswüchse, konnte er trotzdem auf ein beachtliches Werk zurückblicken. "Huizinga gilt heute unbestritten als einer der größten Kulturhistoriker der Neuzeit, als geistiger Nachfahre Jacob Burckhardts... An Burckhardt erinnert auch die starke künstlerische Komponente in seinem Wesen,... die sich in seinem Werk in einer geglückten Synthese von Kultur- und Kunstgeschichte ausgeprägt hat." (4)
Mit dem Gefühl, dem "eigentlichen" Leben zu entfliehen, wird man Huizingas Spielbegriff nicht gerecht, eher damit, sich in diesen Handlungsrahmen zu begeben, in einen Kunstraum, dieser ist jedoch stets in Relation von Ästhetik und Komplexität zu dem selbst anberaumten Zeitkontinuum zu setzen. (5)
In Teil 3 wird es explizit um Huizingas Untersuchungen zur Dichtung und Poesie gehen und im 4. und letzten Teil werde ich mich mit seiner Schrift »Erasmus und Luther. Europäischer Humanismus und Reformation« beschäftigen, auf die ich selber schon gespannt bin.

Fußnoten:
(1) Johan Huizinga: Homo Ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel, Hamburg 1956, Rowohlt, S. 205, Nachwort.
(2) Ebenda S.166/167 weiter: "Die Dichtkunst wurde im Spiel geboren und erhielt immerfort aus Spielformen ihre beste Nahrung. Musik und Tanz waren reines Spiel. Weisheit und Wissen fanden ihren Ausdruck im Wort in geweihten Wettspielen. Das Recht ging aus den Gepflogenheiten eines sozialen Spiels hervor. Die Regulierung des Streits mit den Waffen, die Konventionen des adligen Lebens waren auf Spielformen aufgebaut."
(3) Auf das Kapitel 7 "Spiel und Dichtung" werde ich in Teil 3 der Serie zu Johan Huizinga eingehen.
(4) Ebenda S. 208, Nachwort.
(5) Eben jene Dialektik von Einschränkung und Offenheit ist es auch, die das Spiel für die zeitgenössische Kunst interessant zu machen scheint. Entscheidend wird die Festlegung des Handlungsfeldes. Wie beim Anagramm z.B. sind die Grundregeln simpel, aber effektiv angelegt.

© Dr. Karin Krautschick, Januar 2019.

Zum Anfang

2019/01/26

"Kunst kommt von können, nicht von wollen, sonst müsste es ja Wunst heißen."

Karl Valentin

Zum Anfang

2019/01/23

»Von der Dicken Berta zur Roten Rosa«
Ein wenig bekanntes Rosa-Luxemburg-Denkmal auf dem Spichernplatz

rosaspichernplatz
Igael Tumarkin: Von der Dicken Berta zur Roten Rosa, 1984.
Auf dem Spichernplatz in Berlin Wilmersdorf.
Fotografiert von Dr. Christian G. Pätzold, November 2018.

Auf dem Spichernplatz in Berlin Wilmersdorf steht seit 1984 das Rosa-Luxemburg-Denkmal des israelischen politischen Plastikers Igael Tumarkin, der 1933 in Dresden geboren wurde. Der Titel des Denkmals lautet »Von der Dicken Berta zur Roten Rosa«. Das Denkmal wird leicht übersehen, denn es ist nicht besonders groß, steht nicht auf einem Sockel, und wird auch noch halb von der Vegetation der Mittelinsel verdeckt. Daher ist dieses Denkmal wirklich ein Geheimtipp für Eingeweihte.
Das Denkmal besteht aus 2 Teilen aus Stahl: Einem Gefährt auf Gleisen, das nur entfernt an die tatsächliche Dicke Berta des 1. Weltkriegs erinnert, und aus dem Profilkopf von Rosa Luxemburg. Die Dicke Bertha oder Dicke Berta war der Spitzname eines bekannten deutschen Geschützes im 1. Weltkrieg, das vom Rüstungskonzern Krupp gebaut wurde. Sie war ein Mörser, auch Minenwerfer oder Granatwerfer genannt, und konnte mehrere Kilometer weit schießen. Der Ursprung des Namens Dicke Bertha ist nicht bekannt, aber Bertha war vor 100 Jahren ein beliebter weiblicher Vorname.
Der 1. Weltkrieg und das Schicksal Rosa Luxemburgs waren eng miteinander verbunden. Die sozialistische Revolutionärin Rosa Luxemburg hat sich immer gegen Nationalismus, Militarismus und den imperialistischen Krieg ausgesprochen. Dafür wurde sie von der kaiserlichen Justiz ins Gefängnis gesperrt. Das Denkmal macht diesen Zusammenhang sichtbar, indem der Kopf von Rosa Luxemburg quasi als Barriere vor das Geschütz gestellt ist. Übrigens hat auch der Name des Spichernplatzes in Berlin Wilmersdorf einen militaristischen Hintergrund. Die Schlacht bei Spichern in Lothringen ereignete sich am 6. August 1870 während des Deutsch-Französischen Krieges.
Aber warum steht ein Denkmal für Rosa Luxemburg im bürgerlichen Wilmersdorf, wo man es nicht erwartet? Zum einen wurde Rosa Luxemburg in Wilmersdorf gefangen genommen, kurz bevor sie am 15. Januar 1919 ermordet wurde. Zum anderen hatte Wilmersdorf für Jahrzehnte eine engagierte Kommunale Galerie, die sich sehr für Plastiken im öffentlichen Raum einsetzte. Das sind so meine Vermutungen. Zum 100. Todestag von Rosa wurde das Denkmal renoviert und neu angestrichen. Rosa kommt sehr schön in altrosa Farbe zur Geltung. Aber etwas stört mich: Das Denkmal scheint irgendwie im Erdboden zu versinken. Meiner Meinung nach müsste das ganze Denkmal auf einen Sockel gestellt werden, der etwa 1 Meter hoch sein müsste.
Dr. Christian G. Pätzold.

Zu Rosa Luxemburgs Haltung zum Ersten Weltkrieg seht bitte auch den Artikel "100 Jahre Junius-Broschüre von Dr. Rosa Luxemburg", der am 2016/06/21 auf kuhlewampe.net erschienen ist.

Zum Anfang

2019/01/20

art kicksuch

worte1
worte2
worte3

© art kicksuch, januar 2019.

Zum Anfang

2019/01/17

Das Personenregister ist aktualisiert !

Das Personenregister ist auf den neuesten Stand gebracht und umfasst jetzt die Jahre 2015 bis 2018.
Es ist über die Schaltfläche "Personen" im Kopf dieser Seite erreichbar.
Dadurch könnt ihr jetzt noch mehr Artikel von und über Personen leichter finden.
Die Artikel sind über die Schaltfläche "Archive" im Kopf dieser Seite einsehbar.
Viel Spaß beim Suchen und Finden!

Vor einem Jahr wurde das Kommentarfeld auf kuhlewampe.net eingerichtet, das über die Schaltfläche "Kommentare" im Kopf dieser Seite erreichbar ist.
Es sind zwar einige Kommentare eingetrudelt, aber es könnten noch mehr sein, um den Blog noch lebendiger zu machen.
Eure Kommentare sind daher weiterhin sehr willkommen!
Dr. Christian G. Pätzold.

Zum Anfang

2019/01/14

Die Ermordung von Rosa und Karl vor 100 Jahren

liebknecht
Käthe Kollwitz: Gedenkblatt für Karl Liebknecht, 1920, Holzschnitt.

Während des Spartakusaufstandes im Januar 1919 in Berlin wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die Gründer der KPD, von Soldaten unter dem Oberbefehl des SPDlers Gustav Noske ermordet. An jenem 15. Januar 1919 befanden sich Rosa und Karl im Versteck der Wohnung des Kaufmanns Marcusson in der Mannheimer Straße 43, heute 27, in Wilmersdorf, nahe des Fehrbelliner Platzes. Dort wurden sie aufgespürt, verhaftet und im Auto zum Hotel Eden in der Budapester Straße gebracht. Das Hotel Eden befand sich gegenüber dem Zoo-Aquarium.
Im Hotel Eden wurden Rosa und Karl von den Soldaten misshandelt und gefoltert. Karl Liebknecht wurde anschließend zum Neuen See im Tiergarten gebracht und dort erschossen. Rosa Luxemburg wurde in den Landwehrkanal geworfen. An beiden Orten gibt es heute Denkmäler, die zu ihrem Todestag von Demonstranten besucht werden.
Heute sind Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Friedhof Berlin Friedrichsfelde begraben. An jedem zweiten Sonntag im Januar findet seit Jahren die große Liebknecht-Luxemburg-Demonstration zur Gedenkstätte der Sozialisten statt, in diesem Jahr war das der 13. Januar 2019. Zum 100. Jahrestag fiel die Demonstration trotz Regens besonders groß und beeindruckend aus, es waren tausende Teilnehmende, jung und alt, mit roten Nelken auf der Straße, um an Rosa und Karl zu erinnern. Am Todestag, dem 15. Januar 2019, findet eine weitere Liebknecht-Luxemburg-Demo vom Olof-Palme-Platz zu den Gedenkorten im Berliner Tiergarten statt.
Dr. Christian G. Pätzold.

Seht bitte auch den Artikel "Die Demo zu den Gräbern von Rosa und Karl" vom 2017/01/20 auf kuhlewampe.net.

Zum Anfang

2019/01/10

Das Rathaus der Freien und Hansestadt Hamburg

hamburgrathaus1
Das Rathaus der Freien und Hansestadt Hamburg, Detail.
Fotografiert von © Dr. Christian G. Pätzold, April 2018.

Nachdem auf Kuhle Wampe bereits die Rathäuser von Rostock, Kursk, Breslau, Kassel und Bernau gezeigt wurden, folgt nun für Architekturliebhaber das Rathaus der Freien und Hansestadt Hamburg, das der Sitz von Bürgerschaft (Parlament) und Senat (Landesregierung) ist. Das Rathaus ist ein prachtvoller Bau im Stil der Neo-Renaissance, der zwischen 1886 und 1897 errichtet wurde. Der Turm ist 112 Meter hoch, weswegen er auf das Foto oben nicht ganz gepasst hat. Das Rathaus ist 111 Meter breit. Es wurde zu großen Teilen aus dem Sandstein des Elbsandsteingebirges in Sachsen gebaut.
Als freie Bürger wollten sich die Hamburger an den Republiken der Renaissance orientieren, und nicht an den Stilen der Gotik oder des Barock. Denn die Hamburger Bürger des 19. Jahrhunderts waren noch von deutschen feudalistischen Monarchien umgeben. Zur Zeit der Renaissance im 16. Jahrhundert erlebte das Bürgertum in Deutschland einen gesellschaftlichen Aufstieg, so dass seine Stellung gegenüber dem Adel verbessert wurde. Hamburg war seit alten Zeiten eine Freie Reichsstadt.
Dr. Christian G. Pätzold.

Zum Anfang

2019/01/07

Tagebuch 1973, Teil 30: Zur afghanischen Grenze

Dr. Christian G. Pätzold

mashad
Heiliges Mausoleum von Hazrat Imam Reza in Mashad.
Im Jahr 817 wurde Imam Reza, ein Nachkomme Mohammeds, in Mashad vergiftet. Seine Grabmoschee ist seitdem, wie die ganze Stadt, ein schiitisches Heiligtum.
Quelle: Wikimedia Commons. Foto von 2005. Die schwarz umhüllten Menschen sind Frauen.
Das war auch schon zu Schahzeiten so.

12. September 1973, Fahrt zur afghanischen Grenze, Mittwoch

Mashad ist die Hauptstadt der persischen Provinz Khorasan. Ganz nahe liegen die Turkmenische Sozialistische Sowjetrepublik sowie Afghanistan. Viele schiitische Pilger kamen zum heiligen Schrein von Emam Reza im Zentrum von Mashad.
Wir sind am Morgen zum Türkishändler gegangen, der angeboten hatte, eine Moscheebesichtigung zu organisieren. Wir gingen zur Moschee und unser Führer knöpfte jemandem einen Chador ab. Mit dem Chador verhüllt konnte meine Reisepartnerin in die Moschee. Ich durfte als Ungläubiger nicht rein, da man mich nicht unter einem Chador verhüllen konnte. Ich fand des etwas unlogisch, denn meine Reisepartnerin war ja auch eine Ungläubige. Aber Logik und Religion haben nicht unbedingt etwas miteinander zu tun. Unter dem Chador soll es übrigens entsetzlich heiß gewesen sein.
Anschließend habe ich ein Päckchen nach Deutschland für 50 Rial per Einschreiben abgeschickt. Der Zoll war gleich im Postamt, vermutlich wegen der Edelsteine, aber es gab nur unsere Stadtpläne anzukucken (die übrigens angekommen sind und die ich immer noch habe). Neben den Moscheebesichtigungen und dem Türkisverkauf gab es in Mashad noch den Teppichverkauf als dritten Wirtschaftszweig.
Um 14 Uhr sind wir mit dem Bus zur Grenze abgefahren. Er war bis jetzt der schmutzigste und engste Bus auf meiner Reise. In dieser Gegend gab es viele Menschen mit mongolischen Gesichtszügen, wahrscheinlich Turkmenen oder Usbeken. Um 19 Uhr abends kamen wir an der iranischen Grenze an. Alle Reisenden wurden ohne Schwierigkeiten beim iranischen Zoll abgefertigt. Aber auf der afghanischen Seite erlebten wir einige Überraschungen. Erstens waren in unserem Bus zwei Schweden, denen man nicht gesagt hatte, dass sie ein afghanisches Visum brauchen, die aber schon aus dem Iran herausgestempelt waren. Sie standen jetzt praktisch im Niemandsland der Wüste und ich weiß nicht, was mit ihnen passiert ist. Dann standen wir auf der afghanischen Seite mitten in der Wüste. Ein Reisender sagte, hoffentlich kommt ein Auto, er hätte schon stundenlang vergeblich auf ein Fahrzeug gewartet. Aber dann erschien doch ein Minibus, um uns, wie wir meinten, nach Herat zu bringen. Der übliche Fahrpreis war uns bekannt, aber der Fahrer verlangte das Doppelte. Wir sagten, wir hätten kein afghanisches Geld, da hielt er mit dem Bus mitten in der Wüste und drohte damit, uns rauszuschmeißen. Wir einigten uns schließlich darauf, dass wir bei nächster Gelegenheit Geld wechseln und ihn bezahlen würden. Nach kurzer Fahrt hielt der Bus aber schon wieder.
Hier war also die afghanische Grenze. Wie sich aber herausstellte, war sie schon geschlossen, denn es war schon nach sieben Uhr abends. Wir waren leicht sauer aber es blieb uns nichts anderes übrig, als die Dienste eines so genannten Hotels in Anspruch zu nehmen, das sich der armen Gestrandeten erbarmte, aber in Wirklichkeit wohl eher abfing und abschröpfte. Die Zustände an der afghanischen Grenze waren schon recht abenteuerlich und korrupt.
Auf einer lausigen Terrasse saßen noch andere Reisende und stopften irgendwelches Essen in sich hinein. Man erzählte, dass kurz hinter der Grenze ein Mercedes stehe, dessen Besitzer wegen Rauschgiftschmuggels im Gefängnis sitze. Ich habe Geld in einer Bankstelle gewechselt, die abenteuerlichste Wechselstelle, die ich bis dahin gesehen hatte. Immerhin hing ein Foto vom neuen Präsidenten an der Wand. Mit Kugelschreiber geschrieben hing ein Zettel am Tresor: "Welcome to Republic of Afghanistan". Afghanistan war jetzt eine Republik. Der Wechselkurs war natürlich getürkt: 1 DM zu 20 Afghani. Das Bett im 4-Bett-Zimmer kostete 20 Afghani nach Verhandeln. Zum Abendessen hatte ich Reis mit Bulette für 15 Afghani, die Teekanne mit drei Gläsern kostete 3 Afghani. Wir haben grünen Tee getrunken, gemäß der Maxime: "Abwarten und Tee trinken".
Ein Afghane, der Geld mit dem Autohandel nach Afghanistan machte, sagte, dass der neue Präsident, Mohammed Daoud Khan, ein Vetter von dem alten König sei, und dass er die Macht übernommen habe, als der König zur Kur in Italien weilte. Er habe den Putsch mit vierzig Mann durchgeführt. Er sagte, der Präsident wolle etwas verbessern, Korruption und Kriminalität bekämpfen. Man könne jetzt keinen mehr gegen Geld aus dem Gefängnis holen. Der alte König habe das ganze Geld eingesackt und wahrscheinlich ins Ausland geschafft.
Ich fürchtete nachts, dass Ratten oder ähnlich angenehme Wüstenbewohner im Zimmer herumkrauchen würden, in dem es kein elektrisches Licht gab. Um 11 Uhr abends ging an der Grenze das Licht aus. Es ist nichts passiert.

Ausgaben im Iran pro Person für 16 Tage (28. August bis 12. September 1973):
40,- DM Fahrtkosten, 60,- DM Übernachtung, 100,- DM Essen und Sonstiges = 200,- DM.

Rückblick Januar 2019:

Ich hatte jetzt also das Kaiserreich Persien verlassen, ein Land mit vielen freundlichen Menschen, mit köstlichen Pistazienkernen und Granatäpfeln, mit wunderschönen und geheimnisvollen Perserteppichen. Am meisten bewundert habe ich in Persien die bunten Basare, die Teppichknüpfkunst und die persische Architektur in Isfahan. Der Gegensatz und der Widerspruch zwischen islamistischer Tradition der Massen einerseits und bemühter Modernität der Staatsführung andererseits waren sehr groß. Die Perserkatze kommt übrigens nicht aus Persien, sondern stammt von der russischen Hauskatze ab. Nachdem die Ayatollahs 1979 die Macht in Persien übernommen hatten, war ein Reisen in Persien kaum noch möglich. Jetzt im Jahr 2019 herrschen die Ayatollahs zwar immer noch, aber man hört immer öfter, dass wieder westliche Touristen durch Persien reisen.
Hier noch eine orientalische Schauergeschichte aus einem Reiseführer: Im Jahre 1794 kam Aga Mohammad Qajar nach Kerman und ließ dort die Augen von 20.000 Einwohnern herausreißen, weil diese Städter seinem Widersacher Schutz geboten hatten. Außerdem ließ er weitere 20.000 in die Sklaverei verkaufen. Die Augen, also 40.000, soll dieser Potentat übrigens eigenhändig gezählt haben, was mir allerdings, wegen der damit verbundenen Mühe, wenig wahrscheinlich vorkommt.

© Dr. Christian G. Pätzold, Januar 2019.

Zum Anfang

jubilaeum500

2019/01/05

Tagebuch 1973, Teil 29: Mashad

Dr. Christian G. Pätzold

11. September 1973, Mashad, Dienstag

Am Morgen, bei Sonnenaufgang, hielt unser Reisebus an einem Gewässer (wir sind über Nacht gefahren). Die persischen Mitreisenden haben sich im Fluss gewaschen, haben ihre Gebetsteppiche in den Straßenstaub gelegt und in Richtung Mecca gebetet. Ich war froh, dass ich als Ungläubiger nicht 5 Mal am Tag beten musste. Wahrscheinlich waren auch Pilger nach Mashad im Bus, denn Mashad ist eine heilige Stadt, manche waren aus Kermanshah.
Um 9 Uhr vormittags sind wir in Mashad angekommen. Ein Student, der wie Cliff Richard aussah, hat uns zum Seraye Golshan Mosque Circle gefahren. Dort haben ich Geld getauscht. Wir wurden von einem Verkäufer einer "Türkisfabrik" angesprochen, der uns in seinen Laden abgeschleppt hat. Es gab hellblaue und hellgrüne Türkise, die hier in der Gegend gewonnen wurden. In Afghanistan sollte es dann billiges Silber zum Fassen geben. Der Türkisverkäufer war ein hundertprozentiger Händler, er kaufte und verkaufte auch Gold. Auf meiner Reise um die Welt wurden mir an verschiedenen Orten verschiedene Edelsteine angeboten. Ich habe aber nie Edelsteine gekauft, weder Türkise in Mashad, noch Rubine in Agra in Indien, noch Amethyste oder Topase in Ouro Preto in Brasilien. Teilweise war es mir dubios, denn ich hatte damals keine Ahnung von Edelsteinen und wäre daher auf Fälschungen reingefallen. Und andererseits war es mir einfach zu umständlich, auf der Reise auch noch auf Edelsteine aufpassen zu müssen.
Wir sind zur Khavartour-Bus-Gesellschaft gefahren, der Bus kostete 70 Rial nach Taybad und 100 Rial bis zur afghanischen Grenze. Wir haben einen Platz im Camping für 30 R bekommen, Laken kostete 10 R mehr, Vierbettzelt.

Rückblick Januar 2019: Der 11. September 1973: Der Tod von Salvador Allende in Santiago de Chile.

Der 11. September 1973 brachte mit dem Tod von Salvador Allende ein welthistorisches Ereignis. Von dem Militärputsch in Chile habe ich einige Tage später durch die Presse in Afghanistan erfahren. Anführer des Putsches war General Augusto Pinochet. Salvador Allende befand sich im Präsidentenpalast La Moneda in Santiago de Chile. Während des Ansturmes der Putschisten soll er sich dort selbst getötet haben (laut Wikipedia), was aber immer wieder bezweifelt wurde und was auch ich für sehr unwahrscheinlich halte. Wahrscheinlicher ist, dass Salvador Allende von den Putschisten erschossen wurde. Mit dem Tod von Salvador Allende endeten die Regierung der Unidad Popular und der Sozialismus in Chile. General Augusto Pinochet blieb von 1973 bis 1990 in Chile an der Macht.
Der Militärputsch in Chile war von den USA massiv unterstützt worden, denn Allende war ein Marxist und Freund der Sowjetunion. Die USA sahen durch ihn ihren Einfluss in Süd-Amerika schwinden. Als ich von dem Putsch hörte, hatte ich diesen Ausgang schon irgendwie befürchtet. Ich hatte schon den Eindruck gehabt, dass die Regierung in Chile zu schwach war. Außerdem schien sie sich zu weigern, die Arbeiter zu bewaffnen als Gegengewicht zum Militär, so dass sie schließlich unter dem Druck des Militärs stürzen musste.
Viele Chilenen wurden damals vom Militär ermordet und viele mussten ins Ausland fliehen. In den späten 1970er Jahren und in den 1980er Jahren hatte ich chilenische Freunde, die in West-Berlin lebten. Sie waren über Rumänien nach West-Berlin geflüchtet.

© Dr. Christian G. Pätzold, Januar 2019.

Zum Anfang

2019/01/03

kuhlewampe1
Film »Kuhle Wampe« mit Ernst Busch und Hertha Thiele,
Berlin 1932.

Zum Anfang

2019/01/01

Willkommen zum 5. Jahrgang!

Dr. Christian G. Pätzold

Dank der Kreativität der AutorInnen von kuhlewampe.net gab es im vergangenen Jahr 2018 noch mehr Text zum Lesen als in 2017. Gleichzeitig ist auch die Anzahl der Besuche bei Kuhle Wampe erheblich gestiegen. In 2018 registrierte Kuhle Wampe insgesamt 70.541 Besuche (Visits). Das ist doch schon eine schöne Anzahl, wenn man bedenkt, dass sich Kuhle Wampe über Mundpropaganda verbreitet hat. Na ja, Teenagerinnen, die Make-Up-Videos auf YouTube posten, haben manchmal 73.000 Follower. Man muss bescheiden sein. Seht bitte auch den Artikel "Was ist ein Blog?", der am 2018/11/12 auf Kuhle Wampe erschienen ist.
Das abgelaufene Jahr stand sehr im Zeichen wichtiger Gedenktage: 200. Geburtstag von Karl Marx im Mai, 120. Geburtstag von Bertolt Brecht, 100. Jahrestag der Novemberrevolution, und 50 Jahre 1968. Viele Beteiligte an 68 sind inzwischen gestorben. Im letzten Mai sind Elmar Altvater und Dieter Kunzelmann gestorben und Kuhle Wampe hat an sie erinnert. In 10 Jahren zum 60. Jubiläum werden wohl nur noch sehr wenige Zeitzeugen vorhanden sein. Die Beiträge des vergangenen Jahres sind über die Schaltfläche "Archive" im Kopf dieser Seite erreichbar.
Im letzten Jahr gab es auch als eine Neuheit auf Kuhle Wampe das Kommentarfeld, das über die Schaltfläche "Kommentare" im Kopf dieser Seite erreichbar ist. Es trafen zwar ein paar Kommentare ein, aber als Autor wünscht man sich ja meist etwas mehr Resonanz. Daher würde ich mich freuen, wenn ihr als LeserInnen auch mal einen Kommentar im Kommentarfeld abschicken würdet. Dann schläft die Kommentarseite hoffentlich nicht ein.
In diesem Jahr ist schon als wichtiges Thema das 100. Jubiläum des Bauhauses im April absehbar. Dann wird es um Designgeschichte, Architekturgeschichte und ästhetisch-politische Fragen gehen. Auch die Umstürze im November vor 30 Jahren in der DDR und in der Sowjetunion werden berücksichtigt werden. Und auch das World Wide Web gibt es seit 30 Jahren, eine schöne Erfindung, durch die kuhlewampe.net auf der ganzen Welt gelesen werden kann.
Ein Tipp für Alle, die den Film Kuhle Wampe von 1932 noch nicht gesehen haben: Ihr könnt ihn bequem bei YouTube im Internet anschauen. Einfach im Suchfeld "Kuhle Wampe" eingeben! Der Film dauert 1 Stunde und 8 Minuten. Aufgrund der Zensurmaßnahmen des damaligen Staates sind allerdings leider einige Szenen verloren gegangen.
Ihr habt wahrscheinlich schon gemerkt, dass das Hintergrundbild verändert ist. An der Stelle des tropischen Baumfarns vom letzten Jahr befindet sich jetzt eine orange blühende Azalee, die ich im Mai im Botanischen Garten Berlin Dahlem fotografiert habe. Die Azaleen halten auch das deutsche Klima aus und können im Freiland überleben. Azaleen und Rhododendren gehören zur Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae), sie sind auch als Alpenrosen bekannt. Die Azaleen verlieren im Winter ihre Blätter, die Rhododendren nicht. Sie lieben einen feuchten Boden. Azaleen und Rhododendren sind als Gartenpflanzen sehr beliebt, da sie wunderschöne Blüten in vielen Farben haben, gelb, orange, rot, blau, weiß etc. Teilweise haben sie auch attraktive Blätter.
Ich freue mich, wieder allen danken zu können, die im vergangenen Jahr einen lebendigen Blog pro bono publico möglich gemacht haben:
art kicksuch, Dr. Karin Krautschick, Ferry van Dongen, Dr. Wolfgang Endler, Dr. Hans-Albert Wulf, Georg Lutz, Manfred Gill, Anna Gerstlacher, Jenny Schon, Peter Hahn, Jürgen Stich, Ella Gondek, Kathrin von Loh, Yini Tao, Dr. Jörg Später, Karl Martin Hölzer/Carlos, Cornelia Becker und Dr. Rudolf Stumberger. Ich wünsche allen ein erfolgreiches 2019!

Zum Anfang