kuhlewampe.net

5. Jahrgang
Herzlich Willkommen bei kuhlewampe.net. Ein Kultur-Literatur-Gesellschaftskritik-Blog im WWW
Gründer und Herausgeber: Dr. rer. pol. Christian G. Pätzold, Berlin
Kurator für Gesellschaftskritik: Dr. phil. Hans-Albert Wulf, Berlin
Wenn Ihr hier veröffentlichen wollt, schreibt bitte an: post(at)dr-paetzold.info
Kuhle Wampe ist ein Film von Bert Brecht, Slátan Dudow und Hanns Eisler aus dem Jahr 1932.


2019/02/17

Freier Eintritt in Staatliche Museen

Dr. Christian G. Pätzold

Der linke Kultursenator von Berlin äußerte vor kurzem eine scheinbar revolutionäre Idee: Ein Tag im Monat kostenloser Eintritt in alle staatlichen Museen. Das hört sich erstmal gut an, hat aber schon so einen langen Bart und ist uralt. Schon seit ewigen Zeiten gibt es Museen, die einen Tag mit kostenlosem Eintritt anbieten. Gegenwärtig hat bspw. das Bröhan-Museum in Berlin Charlottenburg einen kostenlosen Tag im Monat. Das ist auch nur gerecht, denn die Bevölkerung hat schon Unsummen für den Bau, die Sammlungen und den Unterhalt der Museen bezahlt.
In Wirklichkeit ist nur ein kostenloser Tag im Monat recht mickrig und wenig großzügig. Warum nicht 1 kostenloser Tag pro Woche? Das ist doch wohl das kulturelle Minimum. Aber dass es nach über 2 Jahren linker Kulturpolitik noch immer keinen einzigen kostenlosen Tag in vielen staatlichen Museen gibt, zeigt doch, dass in der Berliner Kulturpolitik vieles schief läuft. Das bedeutet, dass die ärmere Bevölkerung de facto seit Jahren von den Museen ausgeschlossen wurde, denn die Eintrittspreise sind happig. Und dieses Aussperren der ärmeren Bevölkerung aus der Kultur ist unmoralisch, sehr schade und verstößt gegen die Menschenwürde.
Gleichzeitig werden Millionensummen von der Berliner Kulturverwaltung fehlgeleitet, wie in dem Beitrag vom 2018/12/11 auf kuhlewampe.net nachgewiesen wurde.

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2019/02/14

Der Mensch und seine Arbeit

Markus Richard Seifert

Von dem Menschen und seiner Arbeit soll hier die Rede sein. Doch da ich in diesem Zusammenhang nur Deutschland kenne, schränke ich den Titel auch schon ein und schreibe "Die Menschen in Deutschland und ihre Arbeit". Was also hat "der Deutsche" für ein Verhältnis zu seiner Arbeit? Der Deutsche, und das ist hierzulande leider schon Tradition, hat meiner Beobachtung nach ein eher verkrampftes Verhältnis zu seiner Arbeit oder zu der Arbeit an sich. Denn schon ein altes deutsches Sprichwort sagt uns: "Müßiggang ist aller Laster Anfang". Soll heißen: Wer zu viel Freizeit hat, der oder die kommt eher auf so genannte "dumme Gedanken", jedenfalls eher als jemand, der viel ZU TUN hat.
Das bringt uns zu der Frage, was denn eigentlich Arbeit ist und wie dieser Begriff definiert werden kann oder sollte? Was also ist ARBEIT? Muss es unbedingt eine BEZAHLTE Tätigkeit sein, die uns unseren Lebensunterhalt sichert? Oder gibt es auch eine Arbeit, die nicht nur einen so genannten MARKTWERT, sondern auch einen GESELLSCHAFTLICHEN oder MORALISCHEN oder KULTURELLEN Wert für sich beanspruchen kann? Und darf ARBEIT eigentlich SPASS machen oder wäre das dann "nicht erwachsen"? Und was ist zum Beispiel die Arbeit eines Schriftstellers wert? Oder anders gefragt: Ist sie nur dann etwas wert, wenn er mit seinen Büchern Geld verdient - genug Geld, um sich davon zu ernähren?
Und was ist mit der unbezahlten, aber gesellschaftlich oder auch moralisch wertvollen Arbeit - Mütter, die Kinder erziehen ohne berufstätig zu sein oder Kinder, die ihre Mütter pflegen auch ohne berufstätig sein zu können? Ist das etwa KEINE Arbeit? Früher war HAUSFRAU und MUTTER ein anerkannter Beruf - heute etwa nicht mehr? Oder die PFLEGE von Angehörigen: Fünf Jahre blieb ich zu Hause, um nacheinander zu Hause meine kranken Eltern zu betreuen, stand in dieser Zeit dem so genannten oder auch Ersten Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung - war das vielleicht ein Fehler? Geld vom Staat haben wir in dieser Zeit KEINES bekommen, so viel steht fest.
Und das Ehrenamt, dessen Tätigkeiten auch jenseits des Ersten Arbeitsmarktes stattfinden? Oder ein Mensch, der oder die in einer Sozialen Bücherstube arbeitet, wo naturgemäß KEIN Geld verdient werden kann - ARBEITET DER ETWA NICHT, nur weil er dadurch KEIN Geld verdient? Kurzum: Der Begriff der Arbeit ist sehr relativ, wenn wir ihn nicht mit den unzureichenden Maßstäben des Arbeitsamtes messen wollen. Aber immer noch hinterfragen viel zu wenige Menschen diese einseitige Definition!
Mit einem Wort: Das kapitalistische System, das eigentlich schon seit der und durch die Weltwirtschaftskrise des Jahres 1929 widerlegt worden ist, ist vergleichbar mit dem alten Kinderspiel "Reise nach Jerusalem", wo bekanntlich immer EIN STUHL ZUWENIG da ist, was aber offensichtlich die MIT STUHL NICHT ZU STÖREN SCHEINT, die da glauben, daß die OHNE daran SELBER SCHULD sind.
Aber inzwischen kommt noch ein weiterer Faktor hinzu: Die AUTOMATISIERUNG und/oder DIGITALISIERUNG: Dann nämlich, wenn immer mehr ROBOTER unsere Arbeit übernehmen, wird es auch für fleißige und arbeitswillige Menschen nicht mehr ganz selbstverständlich sein, ARBEIT zu haben und Arbeit zu finden. Und dann wird das BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN eingeführt werden müssen, ob wir es nun wollen oder nicht. Aber viele unserer PUHLITIKER haben ganz offensichtlich Angst vor einem Bedingungslosen Grundeinkommen, denn ein Volk ohne den Druck des so genannten Arbeitsmarktes ist wie eine Schulklasse, die KEINE ANGST mehr vor schlechten Noten haben muss, weil die Noten nämlich abgeschafft worden sind, "man" kann so ein Volk viel weniger zum Gehorsam bringen.

© Markus Richard Seifert, Februar 2019.

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2019/02/11

Sozialistischer Realismus in Ost-Berlin, Teil 5
Will Lammert: Jüdische Opfer des Faschismus, 1956

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Will Lammert: Jüdische Opfer des Faschismus, 1956.
Vor dem Alten Jüdischen Friedhof in der Großen Hamburger Straße in Berlin Mitte.
Fotografiert von Dr. Christian G. Pätzold, Dezember 2018.

Die Figurengruppe »Jüdische Opfer des Faschismus« wurde 1956 von Will Lammert für das Konzentrationslager Ravensbrück in Fürstenberg/Havel im Norden des Bundeslandes Brandenburg geschaffen. Im Konzentrationslager Ravensbrück waren vor allem Frauen mit ihren Kindern eingesperrt. Daher sind in der Bronzegruppe Frauen und Kinder dargestellt. Die Gruppe wurde aber erst 1985 vor dem Alten Jüdischen Friedhof im Scheunenviertel in Berlin Mitte, in der Großen Hamburger Straße, aufgestellt, das heißt im damaligen Ost-Berlin in der DDR. Sie war das erste Denkmal für die jüdischen Opfer des Faschismus, das in Berlin bestand.
Dieser alte Friedhof nahe beim Hackeschen Markt ist ein sehr alter Begräbnisplatz der jüdischen Gemeinde aus dem 18. Jahrhundert, der von den Nazis verwüstet wurde. Daher ist dort heute auf dem Friedhof fast nichts mehr zu sehen außer Efeu. Es ist noch der rekonstruierte Grabstein des Berliner Aufklärers Moses Mendelssohn (1729-1786) aufgestellt. Jüdische Begräbnisstätten werden aus religiösen Gründen grundsätzlich nicht überbaut, im Gegensatz zu christlichen Friedhöfen. Daher existiert der Alte Jüdische Friedhof noch heute.
Die Bronzegruppe der jüdischen Opfer vor dem Eingang zum Friedhof besteht aus 13 Personen mit kahl geschorenen Köpfen und ausgemergelten Körpern, was besonders auffällt. Wenn man das Denkmal mit dem großen Holocaust Mahnmal von Peter Eisenman am Brandenburger Tor vergleicht, das 2005 eröffnet wurde, dann ist das kleine Denkmal von Will Lammert doch viel eindrücklicher und menschlicher.
Will Lammert (1892-1957) überlebte den Ersten Weltkrieg verwundet und war in den Weimarer Jahren ein viel beschäftigter Bildhauer. 1932 trat er in die KPD ein. 1933 musste er mit seiner jüdischen Frau aus Deutschland flüchten und überlebte den Zweiten Weltkrieg im Exil in der Sowjetunion. Die Nazis hatten inzwischen fast alle seine bildhauerischen Werke in Deutschland zerstört, denn für sie war er ein entarteter jüdisch versippter Kunstbolschewist. 1951 konnte er aus der Sowjetunion in die DDR übersiedeln.

Dr. Christian G. Pätzold.

Teil 1 von »Sozialistischer Realismus in Ost-Berlin« erschien am 2018/03/25 auf kuhlewampe.net.
Teil 2 erschien am 2018/06/12.
Teil 3 erschien am 2018/08/14.
Teil 4 erschien am 2018/10/17.

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2019/02/08

Der Liebesperlenstrauch

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Fotografiert von Dr. Christian G. Pätzold, Dezember 2018.

Der Liebesperlenstrauch (Callicarpa giraldii) hat tolle purpurne Früchte, die für Menschen leider giftig sind. Der Strauch wird auch Chinesische Schönfrucht genannt und kommt aus dem mittleren China, wächst aber auch in Deutschland sehr gut. Er gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Seine Früchte sind im Winter sehr auffällig, denn Purpur ist eine Farbe, die in der Pflanzenwelt nicht so häufig vorkommt.
Dr. Christian G. Pätzold.

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2019/02/05

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© art kicksuch, februar 2019.

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2019/02/02

Beim Pecha Kucha im Haus für Poesie

Dr. Christian G. Pätzold

Ende November, es ist kalt, Nieselregen. Um 5 ist es schon stockdunkel. Die U-Bahn zur Eberswalder Straße ist proppenvoll von Einheimischen und Touristen, die am Freitagabend in der Stadt unterwegs sind. Die Blumenhändlerin hat schöne große Mistelkugeln vor ihrem Laden aufgehängt. In der Kulturbrauerei ist der Weihnachtsmarkt mit Glühwein schon voll im Gange. Am Ständer mit den Flyern informiere ich mich über das Berliner Kulturangebot. Der Veranstaltungsraum des Hauses für Poesie ist eine helle, weiß gestrichene Fabriketage im Erdgeschoss, die glücklicherweise geheizt ist. Die Bar hat ein kleines Sortiment an kalten Getränken. Die 50 Stühle für die Besucher sind schon aufgestellt.
Heute gibt es einen Pecha-Kucha-Abend im Haus für Poesie in Berlin Prenzlauer Berg. Hä? Einige werden sich vielleicht fragen, was das ist? Pecha Kucha, gesprochen "petscha kutscha", ist ein Vortragsformat von 20 mal 20 Sekunden, so dass die Vortragenden jeweils insgesamt 6 Minuten und 40 Sekunden sprechen. Während des Vortrags werden nacheinander 20 Bilder auf eine Leinwand geworfen. Dadurch hat man nicht nur etwas zum Zuhören, sondern auch etwas zum Anschauen, was die Vorträge sehr lebendig und informativ macht. Insgesamt ergibt sich beim Pecha Kucha eine kurzweilige Präsentation von Themen.
Pecha Kucha ist ein lautmalendes Wort und kommt aus Japan. Es bedeutet Stimmengewirr oder wirres Geplauder. Die Vortragstechnik wurde erstmals 2003 in Tokio verwendet. Bei einer Pecha Kucha Night gibt es mehrere Vorträge hintereinander, meist um die 10. Für ein Pecha Kucha braucht man ein zusätzliches technisches Equipment: Einen Laptop, einen Beamer und eine Leinwand, auf die die 20 Bilder geworfen werden. Auf der Leinwand läuft auch ein Sekundenzeiger, der anzeigt, wie viel Zeit noch verbleibt.
Mein Pecha-Kucha-Abend hatte den Titel "Kritik der Kritik". 10 PoesiekritikerInnen haben ihre Kritik verschiedener LyrikerInnen vorgetragen. Ich wusste gar nicht, dass es so viele junge LyrikkritikerInnen in Berlin gibt. Das ganze war sehr abwechslungsreich. Ich habe aber festgestellt, dass auch das Vortragen eine Kunst ist, die sich vom reinen Kritisieren unterscheidet. Die Kritik der KritikerInnen war sehr gelungen, aber ihr Vortrag war noch nicht so spannend, wie ich ihn bspw. bei professionellen Poetry SlammerInnen gesehen habe. Das Pecha-Kucha-Format eignet sich jedenfalls sehr gut als Einstieg in eine anschließende Diskussion.

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2019/01/31

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2019/01/28

IM KOPF DER SPRACHE
BERICHTE AUS DER SPRACHWERKSTATT VON DR. KARIN KRAUTSCHICK
JOHAN HUIZINGA, TEIL 2
»HOMO LUDENS. VOM URSPRUNG DER KULTUR IM SPIEL« (1938)

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Daniel Chodowiecki: Vergnügungen der Kinder. Quelle: Wikimedia Commons.

Es sind jene Regeln, die j e d e s Spiel kennzeichnen und auf die der holländische Historiker und Philosoph Johan Huizinga bereits 1938 in seiner Abhandlung, dem Klassiker »Homo Ludens«, lateinisch für "Der spielende Mensch", explizit verwies, als er das Spiel als ein grundlegendes Element unserer Kultur verstand. Dieses einflussreiche Buch ist uns auch heute noch wohl bekannt, nicht allein wegen seines beeindruckenden programmatischen Titels. Folgende Grundparameter werden impliziert, wenn Huizinga das Spiel als "freie Handlung" bezeichnet: Abgeschlossenheit, Begrenztheit, ohne Notwendigkeit und Nutzen, Spannungselement, Wiederholbarkeit und die Spielregeln als Grundvoraussetzung - in einen grundlegend unveränderlichen Rahmen gesetzt, innerhalb dessen ein neuer Entfaltungsraum, jedoch keineswegs ein uneingeschränkter, sondern im Gegenteil ein bereits definierter Handlungsspielraum, festgelegt wird.
So wird Spiel von ihm definiert und mit diesem Kompass macht er sich auf den Weg in die Kulturgeschichte, in der er sich, wie wir bereits seit Teil 1 wissen, sehr gut auskennt. Das von ihm gesichtete reichhaltige Quellenmaterial erbrachte den "Beweis", "daß alle Kultur im Spiel ihren Ursprung hat. Seine Ausführungen legen es nahe, sich einmal Gedanken zu machen über die verschiedenen Formen des Spiels, ihre Bedeutung und ihre geschichtliche Entwicklung." (1)
"Spielender Wetteifer, älter als die Kultur selbst, erfüllte von jeher das Leben und brachte die Formen der archaischen Kultur wie Hefe zum Wachsen. Der Kult entfaltete sich in heiligem Spiel... Kultur in ihren ursprünglichen Phasen wird gespielt. Sie entspringt nicht aus Spiel, wie eine lebende Frucht sich von ihrem Mutterleibe löst, sie entfaltet sich in Spiel und als Spiel." (2)
Verhandelt wird, inwieweit bestimmte Kulturerscheinungen wie das Rechtswesen, Krieg, Wetteifer, Wissen, Philosophie oder Kunst diesen Spielcharakter aufweisen und für welchen Bereich dieser nicht mehr gilt, z. B. macht er bei Kriegen wesentliche Abstriche, auch wenn dieser im Agonalen, einem Kennzeichen des Spielhaften, wurzelt.
Enorm aufschlussreich sind die Kapitel über Dichtung und das poetische Spiel/en. (3)
Alles in allem ein Plädoyer für das Spiel und dessen Implikationen, besonders angesichts der Nazi-Okkupation in Holland, die Huizinga am eigenen Leib zu spüren bekommt, denn er muss 1942 als 70-Jähriger sogar einige Zeit ins KZ wegen angeblich nazifeindlicher Schriften. Gegen Ende seines Lebens eher ernüchtert über diese Auswüchse, konnte er trotzdem auf ein beachtliches Werk zurückblicken. "Huizinga gilt heute unbestritten als einer der größten Kulturhistoriker der Neuzeit, als geistiger Nachfahre Jacob Burckhardts... An Burckhardt erinnert auch die starke künstlerische Komponente in seinem Wesen,... die sich in seinem Werk in einer geglückten Synthese von Kultur- und Kunstgeschichte ausgeprägt hat." (4)
Mit dem Gefühl, dem "eigentlichen" Leben zu entfliehen, wird man Huizingas Spielbegriff nicht gerecht, eher damit, sich in diesen Handlungsrahmen zu begeben, in einen Kunstraum, dieser ist jedoch stets in Relation von Ästhetik und Komplexität zu dem selbst anberaumten Zeitkontinuum zu setzen. (5)
In Teil 3 wird es explizit um Huizingas Untersuchungen zur Dichtung und Poesie gehen und im 4. und letzten Teil werde ich mich mit seiner Schrift »Erasmus und Luther. Europäischer Humanismus und Reformation« beschäftigen, auf die ich selber schon gespannt bin.

Fußnoten:
(1) Johan Huizinga: Homo Ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel, Hamburg 1956, Rowohlt, S. 205, Nachwort.
(2) Ebenda S.166/167 weiter: "Die Dichtkunst wurde im Spiel geboren und erhielt immerfort aus Spielformen ihre beste Nahrung. Musik und Tanz waren reines Spiel. Weisheit und Wissen fanden ihren Ausdruck im Wort in geweihten Wettspielen. Das Recht ging aus den Gepflogenheiten eines sozialen Spiels hervor. Die Regulierung des Streits mit den Waffen, die Konventionen des adligen Lebens waren auf Spielformen aufgebaut."
(3) Auf das Kapitel 7 "Spiel und Dichtung" werde ich in Teil 3 der Serie zu Johan Huizinga eingehen.
(4) Ebenda S. 208, Nachwort.
(5) Eben jene Dialektik von Einschränkung und Offenheit ist es auch, die das Spiel für die zeitgenössische Kunst interessant zu machen scheint. Entscheidend wird die Festlegung des Handlungsfeldes. Wie beim Anagramm z.B. sind die Grundregeln simpel, aber effektiv angelegt.

© Dr. Karin Krautschick, Januar 2019.

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2019/01/26

"Kunst kommt von können, nicht von wollen, sonst müsste es ja Wunst heißen."

Karl Valentin

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2019/01/23

»Von der Dicken Berta zur Roten Rosa«
Ein wenig bekanntes Rosa-Luxemburg-Denkmal auf dem Spichernplatz

rosaspichernplatz
Igael Tumarkin: Von der Dicken Berta zur Roten Rosa, 1984.
Auf dem Spichernplatz in Berlin Wilmersdorf.
Fotografiert von Dr. Christian G. Pätzold, November 2018.

Auf dem Spichernplatz in Berlin Wilmersdorf steht seit 1984 das Rosa-Luxemburg-Denkmal des israelischen politischen Plastikers Igael Tumarkin, der 1933 in Dresden geboren wurde. Der Titel des Denkmals lautet »Von der Dicken Berta zur Roten Rosa«. Das Denkmal wird leicht übersehen, denn es ist nicht besonders groß, steht nicht auf einem Sockel, und wird auch noch halb von der Vegetation der Mittelinsel verdeckt. Daher ist dieses Denkmal wirklich ein Geheimtipp für Eingeweihte.
Das Denkmal besteht aus 2 Teilen aus Stahl: Einem Gefährt auf Gleisen, das nur entfernt an die tatsächliche Dicke Berta des 1. Weltkriegs erinnert, und aus dem Profilkopf von Rosa Luxemburg. Die Dicke Bertha oder Dicke Berta war der Spitzname eines bekannten deutschen Geschützes im 1. Weltkrieg, das vom Rüstungskonzern Krupp gebaut wurde. Sie war ein Mörser, auch Minenwerfer oder Granatwerfer genannt, und konnte mehrere Kilometer weit schießen. Der Ursprung des Namens Dicke Bertha ist nicht bekannt, aber Bertha war vor 100 Jahren ein beliebter weiblicher Vorname.
Der 1. Weltkrieg und das Schicksal Rosa Luxemburgs waren eng miteinander verbunden. Die sozialistische Revolutionärin Rosa Luxemburg hat sich immer gegen Nationalismus, Militarismus und den imperialistischen Krieg ausgesprochen. Dafür wurde sie von der kaiserlichen Justiz ins Gefängnis gesperrt. Das Denkmal macht diesen Zusammenhang sichtbar, indem der Kopf von Rosa Luxemburg quasi als Barriere vor das Geschütz gestellt ist. Übrigens hat auch der Name des Spichernplatzes in Berlin Wilmersdorf einen militaristischen Hintergrund. Die Schlacht bei Spichern in Lothringen ereignete sich am 6. August 1870 während des Deutsch-Französischen Krieges.
Aber warum steht ein Denkmal für Rosa Luxemburg im bürgerlichen Wilmersdorf, wo man es nicht erwartet? Zum einen wurde Rosa Luxemburg in Wilmersdorf gefangen genommen, kurz bevor sie am 15. Januar 1919 ermordet wurde. Zum anderen hatte Wilmersdorf für Jahrzehnte eine engagierte Kommunale Galerie, die sich sehr für Plastiken im öffentlichen Raum einsetzte. Das sind so meine Vermutungen. Zum 100. Todestag von Rosa wurde das Denkmal renoviert und neu angestrichen. Rosa kommt sehr schön in altrosa Farbe zur Geltung. Aber etwas stört mich: Das Denkmal scheint irgendwie im Erdboden zu versinken. Meiner Meinung nach müsste das ganze Denkmal auf einen Sockel gestellt werden, der etwa 1 Meter hoch sein müsste.
Dr. Christian G. Pätzold.

Zu Rosa Luxemburgs Haltung zum Ersten Weltkrieg seht bitte auch den Artikel "100 Jahre Junius-Broschüre von Dr. Rosa Luxemburg", der am 2016/06/21 auf kuhlewampe.net erschienen ist.

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2019/01/20

art kicksuch

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© art kicksuch, januar 2019.

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2019/01/17

Das Personenregister ist aktualisiert !

Das Personenregister ist auf den neuesten Stand gebracht und umfasst jetzt die Jahre 2015 bis 2018.
Es ist über die Schaltfläche "Personen" im Kopf dieser Seite erreichbar.
Dadurch könnt ihr jetzt noch mehr Artikel von und über Personen leichter finden.
Die Artikel sind über die Schaltfläche "Archive" im Kopf dieser Seite einsehbar.
Viel Spaß beim Suchen und Finden!

Vor einem Jahr wurde das Kommentarfeld auf kuhlewampe.net eingerichtet, das über die Schaltfläche "Kommentare" im Kopf dieser Seite erreichbar ist.
Es sind zwar einige Kommentare eingetrudelt, aber es könnten noch mehr sein, um den Blog noch lebendiger zu machen.
Eure Kommentare sind daher weiterhin sehr willkommen!
Dr. Christian G. Pätzold.

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2019/01/14

Die Ermordung von Rosa und Karl vor 100 Jahren

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Käthe Kollwitz: Gedenkblatt für Karl Liebknecht, 1920, Holzschnitt.

Während des Spartakusaufstandes im Januar 1919 in Berlin wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die Gründer der KPD, von Soldaten unter dem Oberbefehl des SPDlers Gustav Noske ermordet. An jenem 15. Januar 1919 befanden sich Rosa und Karl im Versteck der Wohnung des Kaufmanns Marcusson in der Mannheimer Straße 43, heute 27, in Wilmersdorf, nahe des Fehrbelliner Platzes. Dort wurden sie aufgespürt, verhaftet und im Auto zum Hotel Eden in der Budapester Straße gebracht. Das Hotel Eden befand sich gegenüber dem Zoo-Aquarium.
Im Hotel Eden wurden Rosa und Karl von den Soldaten misshandelt und gefoltert. Karl Liebknecht wurde anschließend zum Neuen See im Tiergarten gebracht und dort erschossen. Rosa Luxemburg wurde in den Landwehrkanal geworfen. An beiden Orten gibt es heute Denkmäler, die zu ihrem Todestag von Demonstranten besucht werden.
Heute sind Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Friedhof Berlin Friedrichsfelde begraben. An jedem zweiten Sonntag im Januar findet seit Jahren die große Liebknecht-Luxemburg-Demonstration zur Gedenkstätte der Sozialisten statt, in diesem Jahr war das der 13. Januar 2019. Zum 100. Jahrestag fiel die Demonstration trotz Regens besonders groß und beeindruckend aus, es waren tausende Teilnehmende, jung und alt, mit roten Nelken auf der Straße, um an Rosa und Karl zu erinnern. Am Todestag, dem 15. Januar 2019, findet eine weitere Liebknecht-Luxemburg-Demo vom Olof-Palme-Platz zu den Gedenkorten im Berliner Tiergarten statt.
Dr. Christian G. Pätzold.

Seht bitte auch den Artikel "Die Demo zu den Gräbern von Rosa und Karl" vom 2017/01/20 auf kuhlewampe.net.

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2019/01/10

Das Rathaus der Freien und Hansestadt Hamburg

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Das Rathaus der Freien und Hansestadt Hamburg, Detail.
Fotografiert von © Dr. Christian G. Pätzold, April 2018.

Nachdem auf Kuhle Wampe bereits die Rathäuser von Rostock, Kursk, Breslau, Kassel und Bernau gezeigt wurden, folgt nun für Architekturliebhaber das Rathaus der Freien und Hansestadt Hamburg, das der Sitz von Bürgerschaft (Parlament) und Senat (Landesregierung) ist. Das Rathaus ist ein prachtvoller Bau im Stil der Neo-Renaissance, der zwischen 1886 und 1897 errichtet wurde. Der Turm ist 112 Meter hoch, weswegen er auf das Foto oben nicht ganz gepasst hat. Das Rathaus ist 111 Meter breit. Es wurde zu großen Teilen aus dem Sandstein des Elbsandsteingebirges in Sachsen gebaut.
Als freie Bürger wollten sich die Hamburger an den Republiken der Renaissance orientieren, und nicht an den Stilen der Gotik oder des Barock. Denn die Hamburger Bürger des 19. Jahrhunderts waren noch von deutschen feudalistischen Monarchien umgeben. Zur Zeit der Renaissance im 16. Jahrhundert erlebte das Bürgertum in Deutschland einen gesellschaftlichen Aufstieg, so dass seine Stellung gegenüber dem Adel verbessert wurde. Hamburg war seit alten Zeiten eine Freie Reichsstadt.
Dr. Christian G. Pätzold.

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2019/01/07

Tagebuch 1973, Teil 30: Zur afghanischen Grenze

Dr. Christian G. Pätzold

mashad
Heiliges Mausoleum von Hazrat Imam Reza in Mashad.
Im Jahr 817 wurde Imam Reza, ein Nachkomme Mohammeds, in Mashad vergiftet. Seine Grabmoschee ist seitdem, wie die ganze Stadt, ein schiitisches Heiligtum.
Quelle: Wikimedia Commons. Foto von 2005. Die schwarz umhüllten Menschen sind Frauen.
Das war auch schon zu Schahzeiten so.

12. September 1973, Fahrt zur afghanischen Grenze, Mittwoch

Mashad ist die Hauptstadt der persischen Provinz Khorasan. Ganz nahe liegen die Turkmenische Sozialistische Sowjetrepublik sowie Afghanistan. Viele schiitische Pilger kamen zum heiligen Schrein von Emam Reza im Zentrum von Mashad.
Wir sind am Morgen zum Türkishändler gegangen, der angeboten hatte, eine Moscheebesichtigung zu organisieren. Wir gingen zur Moschee und unser Führer knöpfte jemandem einen Chador ab. Mit dem Chador verhüllt konnte meine Reisepartnerin in die Moschee. Ich durfte als Ungläubiger nicht rein, da man mich nicht unter einem Chador verhüllen konnte. Ich fand des etwas unlogisch, denn meine Reisepartnerin war ja auch eine Ungläubige. Aber Logik und Religion haben nicht unbedingt etwas miteinander zu tun. Unter dem Chador soll es übrigens entsetzlich heiß gewesen sein.
Anschließend habe ich ein Päckchen nach Deutschland für 50 Rial per Einschreiben abgeschickt. Der Zoll war gleich im Postamt, vermutlich wegen der Edelsteine, aber es gab nur unsere Stadtpläne anzukucken (die übrigens angekommen sind und die ich immer noch habe). Neben den Moscheebesichtigungen und dem Türkisverkauf gab es in Mashad noch den Teppichverkauf als dritten Wirtschaftszweig.
Um 14 Uhr sind wir mit dem Bus zur Grenze abgefahren. Er war bis jetzt der schmutzigste und engste Bus auf meiner Reise. In dieser Gegend gab es viele Menschen mit mongolischen Gesichtszügen, wahrscheinlich Turkmenen oder Usbeken. Um 19 Uhr abends kamen wir an der iranischen Grenze an. Alle Reisenden wurden ohne Schwierigkeiten beim iranischen Zoll abgefertigt. Aber auf der afghanischen Seite erlebten wir einige Überraschungen. Erstens waren in unserem Bus zwei Schweden, denen man nicht gesagt hatte, dass sie ein afghanisches Visum brauchen, die aber schon aus dem Iran herausgestempelt waren. Sie standen jetzt praktisch im Niemandsland der Wüste und ich weiß nicht, was mit ihnen passiert ist. Dann standen wir auf der afghanischen Seite mitten in der Wüste. Ein Reisender sagte, hoffentlich kommt ein Auto, er hätte schon stundenlang vergeblich auf ein Fahrzeug gewartet. Aber dann erschien doch ein Minibus, um uns, wie wir meinten, nach Herat zu bringen. Der übliche Fahrpreis war uns bekannt, aber der Fahrer verlangte das Doppelte. Wir sagten, wir hätten kein afghanisches Geld, da hielt er mit dem Bus mitten in der Wüste und drohte damit, uns rauszuschmeißen. Wir einigten uns schließlich darauf, dass wir bei nächster Gelegenheit Geld wechseln und ihn bezahlen würden. Nach kurzer Fahrt hielt der Bus aber schon wieder.
Hier war also die afghanische Grenze. Wie sich aber herausstellte, war sie schon geschlossen, denn es war schon nach sieben Uhr abends. Wir waren leicht sauer aber es blieb uns nichts anderes übrig, als die Dienste eines so genannten Hotels in Anspruch zu nehmen, das sich der armen Gestrandeten erbarmte, aber in Wirklichkeit wohl eher abfing und abschröpfte. Die Zustände an der afghanischen Grenze waren schon recht abenteuerlich und korrupt.
Auf einer lausigen Terrasse saßen noch andere Reisende und stopften irgendwelches Essen in sich hinein. Man erzählte, dass kurz hinter der Grenze ein Mercedes stehe, dessen Besitzer wegen Rauschgiftschmuggels im Gefängnis sitze. Ich habe Geld in einer Bankstelle gewechselt, die abenteuerlichste Wechselstelle, die ich bis dahin gesehen hatte. Immerhin hing ein Foto vom neuen Präsidenten an der Wand. Mit Kugelschreiber geschrieben hing ein Zettel am Tresor: "Welcome to Republic of Afghanistan". Afghanistan war jetzt eine Republik. Der Wechselkurs war natürlich getürkt: 1 DM zu 20 Afghani. Das Bett im 4-Bett-Zimmer kostete 20 Afghani nach Verhandeln. Zum Abendessen hatte ich Reis mit Bulette für 15 Afghani, die Teekanne mit drei Gläsern kostete 3 Afghani. Wir haben grünen Tee getrunken, gemäß der Maxime: "Abwarten und Tee trinken".
Ein Afghane, der Geld mit dem Autohandel nach Afghanistan machte, sagte, dass der neue Präsident, Mohammed Daoud Khan, ein Vetter von dem alten König sei, und dass er die Macht übernommen habe, als der König zur Kur in Italien weilte. Er habe den Putsch mit vierzig Mann durchgeführt. Er sagte, der Präsident wolle etwas verbessern, Korruption und Kriminalität bekämpfen. Man könne jetzt keinen mehr gegen Geld aus dem Gefängnis holen. Der alte König habe das ganze Geld eingesackt und wahrscheinlich ins Ausland geschafft.
Ich fürchtete nachts, dass Ratten oder ähnlich angenehme Wüstenbewohner im Zimmer herumkrauchen würden, in dem es kein elektrisches Licht gab. Um 11 Uhr abends ging an der Grenze das Licht aus. Es ist nichts passiert.

Ausgaben im Iran pro Person für 16 Tage (28. August bis 12. September 1973):
40,- DM Fahrtkosten, 60,- DM Übernachtung, 100,- DM Essen und Sonstiges = 200,- DM.

Rückblick Januar 2019:

Ich hatte jetzt also das Kaiserreich Persien verlassen, ein Land mit vielen freundlichen Menschen, mit köstlichen Pistazienkernen und Granatäpfeln, mit wunderschönen und geheimnisvollen Perserteppichen. Am meisten bewundert habe ich in Persien die bunten Basare, die Teppichknüpfkunst und die persische Architektur in Isfahan. Der Gegensatz und der Widerspruch zwischen islamistischer Tradition der Massen einerseits und bemühter Modernität der Staatsführung andererseits waren sehr groß. Die Perserkatze kommt übrigens nicht aus Persien, sondern stammt von der russischen Hauskatze ab. Nachdem die Ayatollahs 1979 die Macht in Persien übernommen hatten, war ein Reisen in Persien kaum noch möglich. Jetzt im Jahr 2019 herrschen die Ayatollahs zwar immer noch, aber man hört immer öfter, dass wieder westliche Touristen durch Persien reisen.
Hier noch eine orientalische Schauergeschichte aus einem Reiseführer: Im Jahre 1794 kam Aga Mohammad Qajar nach Kerman und ließ dort die Augen von 20.000 Einwohnern herausreißen, weil diese Städter seinem Widersacher Schutz geboten hatten. Außerdem ließ er weitere 20.000 in die Sklaverei verkaufen. Die Augen, also 40.000, soll dieser Potentat übrigens eigenhändig gezählt haben, was mir allerdings, wegen der damit verbundenen Mühe, wenig wahrscheinlich vorkommt.

© Dr. Christian G. Pätzold, Januar 2019.

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jubilaeum500

2019/01/05

Tagebuch 1973, Teil 29: Mashad

Dr. Christian G. Pätzold

11. September 1973, Mashad, Dienstag

Am Morgen, bei Sonnenaufgang, hielt unser Reisebus an einem Gewässer (wir sind über Nacht gefahren). Die persischen Mitreisenden haben sich im Fluss gewaschen, haben ihre Gebetsteppiche in den Straßenstaub gelegt und in Richtung Mecca gebetet. Ich war froh, dass ich als Ungläubiger nicht 5 Mal am Tag beten musste. Wahrscheinlich waren auch Pilger nach Mashad im Bus, denn Mashad ist eine heilige Stadt, manche waren aus Kermanshah.
Um 9 Uhr vormittags sind wir in Mashad angekommen. Ein Student, der wie Cliff Richard aussah, hat uns zum Seraye Golshan Mosque Circle gefahren. Dort haben ich Geld getauscht. Wir wurden von einem Verkäufer einer "Türkisfabrik" angesprochen, der uns in seinen Laden abgeschleppt hat. Es gab hellblaue und hellgrüne Türkise, die hier in der Gegend gewonnen wurden. In Afghanistan sollte es dann billiges Silber zum Fassen geben. Der Türkisverkäufer war ein hundertprozentiger Händler, er kaufte und verkaufte auch Gold. Auf meiner Reise um die Welt wurden mir an verschiedenen Orten verschiedene Edelsteine angeboten. Ich habe aber nie Edelsteine gekauft, weder Türkise in Mashad, noch Rubine in Agra in Indien, noch Amethyste oder Topase in Ouro Preto in Brasilien. Teilweise war es mir dubios, denn ich hatte damals keine Ahnung von Edelsteinen und wäre daher auf Fälschungen reingefallen. Und andererseits war es mir einfach zu umständlich, auf der Reise auch noch auf Edelsteine aufpassen zu müssen.
Wir sind zur Khavartour-Bus-Gesellschaft gefahren, der Bus kostete 70 Rial nach Taybad und 100 Rial bis zur afghanischen Grenze. Wir haben einen Platz im Camping für 30 R bekommen, Laken kostete 10 R mehr, Vierbettzelt.

Rückblick Januar 2019: Der 11. September 1973: Der Tod von Salvador Allende in Santiago de Chile.

Der 11. September 1973 brachte mit dem Tod von Salvador Allende ein welthistorisches Ereignis. Von dem Militärputsch in Chile habe ich einige Tage später durch die Presse in Afghanistan erfahren. Anführer des Putsches war General Augusto Pinochet. Salvador Allende befand sich im Präsidentenpalast La Moneda in Santiago de Chile. Während des Ansturmes der Putschisten soll er sich dort selbst getötet haben (laut Wikipedia), was aber immer wieder bezweifelt wurde und was auch ich für sehr unwahrscheinlich halte. Wahrscheinlicher ist, dass Salvador Allende von den Putschisten erschossen wurde. Mit dem Tod von Salvador Allende endeten die Regierung der Unidad Popular und der Sozialismus in Chile. General Augusto Pinochet blieb von 1973 bis 1990 in Chile an der Macht.
Der Militärputsch in Chile war von den USA massiv unterstützt worden, denn Allende war ein Marxist und Freund der Sowjetunion. Die USA sahen durch ihn ihren Einfluss in Süd-Amerika schwinden. Als ich von dem Putsch hörte, hatte ich diesen Ausgang schon irgendwie befürchtet. Ich hatte schon den Eindruck gehabt, dass die Regierung in Chile zu schwach war. Außerdem schien sie sich zu weigern, die Arbeiter zu bewaffnen als Gegengewicht zum Militär, so dass sie schließlich unter dem Druck des Militärs stürzen musste.
Viele Chilenen wurden damals vom Militär ermordet und viele mussten ins Ausland fliehen. In den späten 1970er Jahren und in den 1980er Jahren hatte ich chilenische Freunde, die in West-Berlin lebten. Sie waren über Rumänien nach West-Berlin geflüchtet.

© Dr. Christian G. Pätzold, Januar 2019.

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2019/01/03

kuhlewampe1
Film »Kuhle Wampe« mit Ernst Busch und Hertha Thiele,
Berlin 1932.

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2019/01/01

Willkommen zum 5. Jahrgang!

Dr. Christian G. Pätzold

Dank der Kreativität der AutorInnen von kuhlewampe.net gab es im vergangenen Jahr 2018 noch mehr Text zum Lesen als in 2017. Gleichzeitig ist auch die Anzahl der Besuche bei Kuhle Wampe erheblich gestiegen. In 2018 registrierte Kuhle Wampe insgesamt 70.541 Besuche (Visits). Das ist doch schon eine schöne Anzahl, wenn man bedenkt, dass sich Kuhle Wampe über Mundpropaganda verbreitet hat. Na ja, Teenagerinnen, die Make-Up-Videos auf YouTube posten, haben manchmal 73.000 Follower. Man muss bescheiden sein. Seht bitte auch den Artikel "Was ist ein Blog?", der am 2018/11/12 auf Kuhle Wampe erschienen ist.
Das abgelaufene Jahr stand sehr im Zeichen wichtiger Gedenktage: 200. Geburtstag von Karl Marx im Mai, 120. Geburtstag von Bertolt Brecht, 100. Jahrestag der Novemberrevolution, und 50 Jahre 1968. Viele Beteiligte an 68 sind inzwischen gestorben. Im letzten Mai sind Elmar Altvater und Dieter Kunzelmann gestorben und Kuhle Wampe hat an sie erinnert. In 10 Jahren zum 60. Jubiläum werden wohl nur noch sehr wenige Zeitzeugen vorhanden sein. Die Beiträge des vergangenen Jahres sind über die Schaltfläche "Archive" im Kopf dieser Seite erreichbar.
Im letzten Jahr gab es auch als eine Neuheit auf Kuhle Wampe das Kommentarfeld, das über die Schaltfläche "Kommentare" im Kopf dieser Seite erreichbar ist. Es trafen zwar ein paar Kommentare ein, aber als Autor wünscht man sich ja meist etwas mehr Resonanz. Daher würde ich mich freuen, wenn ihr als LeserInnen auch mal einen Kommentar im Kommentarfeld abschicken würdet. Dann schläft die Kommentarseite hoffentlich nicht ein.
In diesem Jahr ist schon als wichtiges Thema das 100. Jubiläum des Bauhauses im April absehbar. Dann wird es um Designgeschichte, Architekturgeschichte und ästhetisch-politische Fragen gehen. Auch die Umstürze im November vor 30 Jahren in der DDR und in der Sowjetunion werden berücksichtigt werden. Und auch das World Wide Web gibt es seit 30 Jahren, eine schöne Erfindung, durch die kuhlewampe.net auf der ganzen Welt gelesen werden kann.
Ein Tipp für Alle, die den Film Kuhle Wampe von 1932 noch nicht gesehen haben: Ihr könnt ihn bequem bei YouTube im Internet anschauen. Einfach im Suchfeld "Kuhle Wampe" eingeben! Der Film dauert 1 Stunde und 8 Minuten. Aufgrund der Zensurmaßnahmen des damaligen Staates sind allerdings leider einige Szenen verloren gegangen.
Ihr habt wahrscheinlich schon gemerkt, dass das Hintergrundbild verändert ist. An der Stelle des tropischen Baumfarns vom letzten Jahr befindet sich jetzt eine orange blühende Azalee, die ich im Mai im Botanischen Garten Berlin Dahlem fotografiert habe. Die Azaleen halten auch das deutsche Klima aus und können im Freiland überleben. Azaleen und Rhododendren gehören zur Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae), sie sind auch als Alpenrosen bekannt. Die Azaleen verlieren im Winter ihre Blätter, die Rhododendren nicht. Sie lieben einen feuchten Boden. Azaleen und Rhododendren sind als Gartenpflanzen sehr beliebt, da sie wunderschöne Blüten in vielen Farben haben, gelb, orange, rot, blau, weiß etc. Teilweise haben sie auch attraktive Blätter.
Ich freue mich, wieder allen danken zu können, die im vergangenen Jahr einen lebendigen Blog pro bono publico möglich gemacht haben:
art kicksuch, Dr. Karin Krautschick, Alia Krautschick, Ferry van Dongen, Dr. Wolfgang Endler, Dr. Hans-Albert Wulf, Georg Lutz, Manfred Gill, Anna Gerstlacher, Jenny Schon, Peter Hahn, Jürgen Stich, Ella Gondek, Kathrin von Loh, Yini Tao, Dr. Jörg Später, Karl Martin Hölzer/Carlos, Cornelia Becker und Dr. Rudolf Stumberger. Ich wünsche allen ein erfolgreiches 2019!

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